Rezension: Miss Blackpool [Hörbuch]


"Ein typischer Nick Hornby", dachte ich, als ich das Hörbuch beendet hatte. Humorvoll, sozialkritisch und gefüllt mit einer Menge skurriler sowie interessanter Figuren. Dank der Random House Verlagsgruppe durfte ich das aktuelle Werk Miss Blackpool von Nick Hornby hören. Ein tolles Buch über ein Mädchen, das aus der Norm ausbricht. Aber worum geht es genau?






Es ist tatsächlich passiert. Obwohl Barbara absolut kein Interesse daran hat, den Schönheitswettbewerb ihrer Heimat Blackpool zu gewinnen, setzt man ihr das Krönchen auf. Dass sie den Titel nur kurze Zeit später abtritt, hätte wohl niemand gedacht, doch Barbara möchte nicht wegen ihrer blonden Haare oder ihrer Kurven auffallen - sie will wegen ihres Humors berühmt werden! Sie beschließt nach London zu gehen, um ihr Leben schlagartig zu verändern. Als sie durch einen Zufall in ein Casting stolpert, wird ihr wahres Talent gefragt und bald wird klar, dass bei der BBC ohne Barbara gar nichts mehr geht.




Auch wenn Miss Blackpool  in erster Linie das Leben von Barbara behandelt, ist sie nicht allein Dreh- und Angelpunkt des Buches. Gerade zu Beginn behandelt der Roman natürlich Barbaras familiäres Umfeld und ihren Umzug nach London, doch sobald sie bei der BBC unter Vertrag steht, tauchen zunehmend Perspektivenwechsel auf. Dadurch werden Hintergründe der Sendung deutlich, in der Barabara mitspielt. Es werden Themen wie Homosexualität, Ehebruch und Drogenmissbrauch angeschnitten, die gerade in den Sechzigern, in der die Geschichte spielt, äußerst pikant sind. Vor allem gefiel mir jedoch der immer wieder aufkeimende (und teilweise scharfzünginge) Feminismus in Miss Blackpool. Zu Recht fragt sich Barbara, wieso sie als Frau nicht auch lustig und attraktiv zugleich sein kann und warum wird sie im Mediengewerbe anders behandelt, als ihr männlicher Schauspielpartner? Nick Hornby geht wunderbar mit kritischen Fragen um, hinterfragt und stellt Dinge nicht einfach nur flach da.
Miss Blackpool ist aber nicht nur ein Fragment aus Barbaras Leben nach Blackpool, es geht im Großen und Ganzen auch um das Älterwerden. Man folgt ihr durch die verschiedenen Staffeln der Comedy-Serie, von der sie ein Teil ist und begleitet sie bis in das hohe Alter, ohne dass man sich auch nur einen Augenblick langweilt.
Tobias Meister, der unter anderem Brad Pitt oder Jack Black im Deutschen seine Stimme verleiht, spricht Miss Blackpool mit viel Charme und Liebe zum Detail. Anfänglich war ich abgeschreckt, weil mir die Stimme so bekannt vorkam, doch nach nur zwei, drei Kapiteln war ich direkt drin und konnte mir niemand anderen vorstellen, der mich durch Barbaras Alltag begleiten würde.






Ich war wirklich glücklich darüber, einen so ausgefeilten und großartigen Nick Hornby Roman zu hören. Der Witz im Buch ist herrlich! Ich habe mich so oft über die Einfältigkeit der Medien und der damaligen Politik amüsiert. Die Charaktere von Barbara und ihren Kollegen sind Hornby-typisch sehr skurril, aber allesamt sind die Handlungen der Figuren nachvollziehbar und man kann sich gut mit ihnen identifizieren. Mir hat es aber wirklich am besten gefallen, dass in der verrückten Medienwelt Themen wie Homosexualität und Gleichbereichtigung stetig eine Rolle gespielt haben. Dadurch wurde die Welt der Sechsziger sehr real, was mich zeitgleich auch traurig gestimmt hat.
Lediglich das Ende war mir etwas zu abrupt. Ich hätte gerne noch ein wenig mehr erfahren, was zum Schluss nun passiert ist, aber nichtsdestotrotz gebe ich Miss Blackpool vier von fünf möglichen Lesebrillen für einen großartigen Roman, den ich nur empfehlen kann!

  





Titel: Miss Blackpool
Verlag: Der Hörverlag
ISBN: 978-3-8445-1784-2
Preis: 19,99€
Sonstiges: Hörbuch, ungekürzt 637 Minuten

Die genannten Details sind der Random House Verlagsseite entnommen.

Vielen Dank an das Bloggerportal für die Bereitstellung des Leseexemplars!
  


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