Rezension: Das unendliche Meer


Zerstörung, Tod und Angst: die fünf Wellen rollten über das Land hinweg und dezimierten die Menschheit. Cassie Sullivan ist eine Überlebende und gibt auch im zweiten Band der dystopischen Reihe von Rick Yancey nicht auf. Was ich zu Das unendliche Meer zu sagen habe und wie mir der Folgeroman gefiel, erfahrt ihr heute auf meinem Blog.






Cassie Sullivans Geschichte setzt sich fort. Nachdem sie ihren kleinen Bruder aus den Fängen der Außerirdischen befreit hat, müssen sie und ihre Begleiter ein Versteck finden. Sie kämpfen nicht nur mit der stetigen Angst, sondern auch noch mit ihren eigenen Problemen: Ben ist schwer verletzt, das Vertrauen ist bei allen angeknackst und nirgendwo scheint es sicher zu sein. Die Gruppe findet einen Unterschlupf, nur um daraufhin festzustellen, dass sie Besuch bekommen. Derweil macht sich Cassie Sorgen um ihren Retter Evan Walker. Ihre Freunde glauben nicht daran, dass er es geschafft hat, doch Cassie hat noch Hoffnung.





Das unendliche Meer war eine reine Achterbahnfahrt für mich. Der Anfang war so spannend, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte, doch in der Buchmitte fiel für mich die Handlung rapide ab, bevor sie erst gegen Ende wieder an Schwung gewann. Wie auch in Band eins wechseln sich langatmige Szenen mit rasanten Momenten ab, aber genau diese stilleren Augenblicke sind vermutlich der Grund, wieso einigen Lesern der zweite Band nicht so gut gefiel. Das Werk ist deutlich kürzer als der erste Band und im Endeffekt ist die Handlung in wenigen Worten erzählt. Das unendliche Meer wirkt zwischendrin wie ein erzwungener Einschub, als hätte der Autor am liebsten nur zwei Bände geschrieben, hatte aber die Vorgabe drei veröffentlichen zu müssen. Als ich mit dem Roman durch war, dachte ich nur „das war es jetzt schon?“
Positiv hervorzuheben ist, wie auch in Band eins, der Schreibstil. Man hat das Gefühl, als würden die Metaphern und die vielen Stellen zwischen den Zeilen noch größer und bedeutungsvoller. Liest man nicht richtig mit, so verpasst man wohlmöglich einen relevanten und trickreichen Schachzug. Der Stil hat sich im Gegensatz zum ersten Teil sehr gehoben, wirkt deutlich erwachsener und reifer, was im gleichen Atemzug dazu führt, dass man mehr darüber nachdenken muss, was man gerade gelesen hat.
Der Perspektivenwechsel ist dieses Mal nicht ganz so präsent. Natürlich werden einige Szenen aus Cassies Sicht geschildert, aber überraschenderweise nehmen auch die Nebenfiguren aus dem ersten Band nun eine größere Rolle ein und beherrschen ganze Kapitel. Ich hatte manchmal das Gefühl, als würde Cassies Relevanz schrumpfen, was ich etwas schade fand, da sie für mich ganz klar die Protagonistin der Reihe ist.
Der zweite Band öffnet den Weg zum großen Finale. Hier werden einige neue Theorien um die Anderen eingeworfen und man bekommt einen aufschlussreicheren Blick hinter die Fassade der Außerirdischen. Dennoch waren die Informationen für meinen Geschmack etwas zu knapp und ich habe das Gefühl, als würde sehr viel für das Ende der Trilogie aufgespart werden. Da The Last Star, wie der dritte Band heißen soll, erst im Mai 2016 auf Englisch erscheint, fällt das Warten auf die Auflösung noch ganz schön lang aus. Dafür wird die Filmadaption der Reihe schon im Januar 2016 in den amerikanischen Kinos zu sehen sein, worauf ich persönlich sehr gespannt bin.





Im Endeffekt hatte ich mir ein wenig mehr Story für den zweiten Teil versprochen. Der erste Band eröffnet alleine schon so viele Geheimnisse, dass ich glaubte, im nächsten Roman müsste es ordentlich abgehen. Leider ist die Handlung aber sehr knapp und konzentriert sich nicht gerade auf die Geschehnisse rund um Cassie. Dennoch gefällt es mir sehr gut, dass sich der Roman weiterentwickelt hat, die Sprache erwachsener ist und man mehr von den Technologien der Anderen erfährt. Es ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Handlung im Gegensatz zum ersten Band eher dürftig ausfällt, obwohl der Roman viel Spannungspotenzial bietet. Aus diesem Grund vergebe ich drei von fünf möglichen Lesebrillen für Rick Yanceys Das unendliche Meer.

  





Titel: Das unendliche Meer
Verlag: Goldmann, Random House Verlagsgruppe
ISBN: 978-3-442-31335-8
Preis: 16,99€
Sonstiges: Hardcover, 352 Seiten


Die genannten Details sind der Random House Verlagswebsite entnommen. Vielen Dank an den Random House Verlag für das Leseexemplar!



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