Rezension: Die fünfte Welle

Was passiert, wenn wir doch nicht alleine sind? Außerirdische haben die Erdbevölkerung mit vier Wellen der Zerstörung minimiert, eine schrecklicher als die andere. Die fünfte Welle soll nun allem ein Ende setzen. Mittendrin die Jugendliche Cassie, die nicht nur ein Versprechen zu erfüllen hat, sondern auch noch alles gibt, um sich nicht von den Außerirdischen fassen zu lassen. Die fünfte Welle von Rick Yancey bietet Spannung im Übermaß!






Cassie Sullivan weiß, dass sie nicht allein ist. Der Blick Richtung Himmel, an dem das riesige Mutterschiff der Anderen schwebt, erinnert sie jeden Tag daran. Die Außerirdischen nahmen der Menschheit in der ersten Welle die Elektrizität, in der zweiten fluteten sie die Küsten, die dritte brachte ein tödliches Virus und die vierte sorgte dafür, dass Cassie niemandem mehr trauen konnte. Cassie glaubt alles verloren zu haben und nahezu der letzte echte Mensch auf dem Planeten zu sein. Mit einem Gewehr auf den Schultern und einem Teddybären in ihrem Rucksack streift die Sechszehnjährige einsam durch die Wälder, um ein Versprechen einzuhalten, das nahezu unmöglich erscheint. Als Cassie jedoch verletzt wird und plötzlich bei ihrem geheimnisvollen Retter erwacht, muss sie begreifen, dass ihr Plan noch gefährlicher ist, als sie dachte.





Die fünfte Welle ist eine dystopische Trilogie, die in den USA für viel Begeisterung gesorgt hat und 2016 sogar schon als Film erscheinen wird. Weil der erste Band in den Medien so durch die Decke gegangen ist, musste ich auch direkt zum englischen Hörbuch greifen und wollte danach sofort den zweiten Teil lesen, der zu dem Zeitpunkt aber noch gar nicht erschienen war. Im August machte es mir der Random House Verlag möglich, dass ich Die fünfte Welle auf Deutsch lesen konnte, worüber ich mich sehr gefreut habe. Auf diese Weise wollte ich mir mal ansehen, wie gut der Roman übersetzt ist und wurde durch und durch überzeugt.
Der Roman beginnt aus der Sicht von Cassie Sullivan und bietet zunächst einen Einblick in ihre verzweifelte Situation. Besonders die Rückblicke zu der Zeit, in der die Anderen erschienen sind, waren für mich besonders spannend, denn das Hintergrundwissen sorgt dafür, dass man Cassie besser versteht und ihre Motivation nachvollziehen kann. Man erfährt zudem mehr über das Eintreffen der Außerirdischen und was der Menschheit während der sogenannten Wellen widerfahren ist.
Der häufige Perspektivenwechsel wird als typisches Stilmittel angewandt, um die Spannung beim Leser dauerhaft zu steigen. Nach jedem Überkapitel musste ich erst einmal die Folgekapitel lesen, weil ich einfach nicht abwarten konnte. Gerade wenn man die anderen Charaktere neben Cassie kennenlernt, will man das Buch nicht mehr aus der Hand legen. In den Kapiteln rund um Zombie stehen vor allem militärische Aktionen im Vordergrund, die dem Roman seinen Action-Faktor geben.
Dadurch, dass man hervorragend in das Innenleben der Hauptcharaktere blicken kann, bekommt man als Leser ein gutes Bild von den Figuren. Weil die anderen Charaktere aber eher flach geschildert sind und lediglich durch ihre Handlungen legitimiert werden, hatte ich manchmal das Gefühl, dass sie nur Lückenfüller ohne Funktion sind. Im zweiten Band wird deutlicher, dass einige von ihnen noch eine größere Rolle spielen, daher konnte ich meine Bedenken später verwerfen.
Was mir besonders gefiel war der humoristische Ton, der vor allem auf taffen Sprüchen von Cassie basiert. Hier wird nichts schöngeschrieben oder geschmückt. In vielen Jugendromanen habe ich das Gefühl, dass eher ein Bogen um Themen wie Sexualität und Körper gemacht werden, Cassie denkt schonungslos darüber nach, was passieren könnte, wenn ihre Tampons ausgehen.
Die fünfte Welle verherrlicht keine Gewalt, auch wenn sie ein ständig wiederauftauchender Aspekt des Romans ist. Kriege und Brutalität stehen auf der Tagesordnung, weswegen die Charaktere Gewalt zwar nicht vermeiden können, aber infolgedessen reflektieren, was sie da tun. Wer lieber Friede, Freude, Eierkuchen lesen möchte, ist hier an der falschen Adresse.





Ich fand den ersten Band wirklich herrlich spannend und freue mich schon darauf, Cassie, Zombie und Co. im nächsten Jahr auf der großen Leinwand zu sehen. Mich haben nicht nur die viele Action und der Humor überzeugt, sondern auch die Darstellung der Protagonistin Cassie. Selbstbewusst bewegt sie sich durch die zerstörte Welt und klammert sich an das eine Versprechen, das sie erfüllen möchte. Sie ist eine vorbildliche Actionheldin, vor der ich viel Respekt habe! Das dystopische Szenario ist nicht nur wegen Cassies Einsamkeit albtraumhaft und jagt einem regelrecht einen Schauder über den Rücken. Manchmal scheinen hier die Grenzen zwischen Fantasie und Realität zu verschwimmen und man grübelt selbst nach was wäre wenn die Außerirdischen auf der Erde landen?! An wenigen Stellen zieht sich der Roman in der Mitte, was aber auch daran liegt, dass Cassie durch ihre Verletzung einige Abstriche machen muss. Ansonsten bleibt Rick Yanceys Werk durchgehend spannend und überzeugt mit wahnwitzigen Theorien rund um die Anderen. Ich gebe der fünften Welle vier von fünf möglichen Lesebrillen und bis dahin heißt es abwarten auf Band drei und den Film zum Buch.

  





Titel: Die fünfte Welle
Verlag: Goldmann, Random House Verlagsgruppe
ISBN: 978-3-442-31334-1
Preis: 16,99€
Sonstiges: Hardcover, 480 Seiten


Die genannten Details sind der Random House Verlagswebsite entnommen. Vielen Dank an den Random House Verlag für das Leseexemplar!



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