Unterwegs: Köln im Zeichen der Literatur - Literaturschiff und Pressegespräch zur FBM 16

Eigentlich hatte ich schon fast damit gerechnet, dass die lit.COLOGNE dieses Jahr für mich flach fällt. Die Termine, die ich gerne besucht hätte, konnte ich zeitlich leider nicht wahrnehmen und einige Veranstaltungen finden leider zeitgleich mit der Leipziger Buchmesse statt. Ich freute mich sehr, dass mich Vanessa von Meine Fantasybücherwelt(en) einlud, sie auf das Literaturschiff und das anschließende Pressegespräch zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse 2016 zu begleiten.

Um 18 Uhr versammelten sich Literaturbegeisterte auf dem Schiff am Rhein, um den Autorinnen Saskia de Coster und Connie Palmen zu lauschen. Kaum hatte der Literaturwissenschaftler und Journalist Stefan Wieczorek den Abend eröffnet, schon legte das Schiff ab. Während des Gesprächs mit den Autorinnen aus den Niederlanden und Flandern konnte man den Blick immer wieder auf die schöne Rheinpromenade schweifen lassen und beobachten, wie die Sonne langsam unterging. Allein die Aussicht hat sich schon gelohnt!

Zunächst las Saskia de Coster aus ihrem Roman in Originalsprache, ehe die Schauspielerin Milena Karas übernahm und ein Kapitel aus der Übersetzung vortrug. Wir und ich ist ein Gesellschaftsroman voller Ironie, der in diesem März im Tropen Verlag erscheint. Er behandelt das Leben der vermögenden Familie Vandersanden, die in einer streng gesicherten Villengegend leben. Es wurde oft gelacht, beispielsweise als über Mutter Mieke erzählt wurde, dass sie gerne zur Beruhigung die Teppichfransen kämmt. Lediglich Tochter Sarah scheint aus dem konventionellen Leben ausbrechen zu wollen und findet in ihrem Onkel, der aus dem Gefängnis entlassen wird und sich bei den Vandersanden einquartiert, einen Gleichgesinnten. Der Roman klingt herrlich erfrischend und es hat viel Spaß gemacht, einen Auszug im Original und auf Deutsch zu hören – denn wenn man meint, da gibt es keine Unterschiede, dann irrt man sich.

Im weiteren Gespräch mit Connie Palmen wurde ich von ihrer fröhlichen und koketten Art überzeugt. Die Autorin gab im Vorfeld zu, manche deutsche Wörter nicht richtig zu verstehen und erzählte von der Anekdote, dass sie einmal bei einer Lesung den ganzen Abend Lochbuch anstatt Logbuch gesagt habe. Wir sollten ruhig laut lachen, wenn sie etwas falsch aussprechen würde – sehr charmant!
Der Roman der Niederländerin Du sagst es erscheint zwar erst im September 2016 im Diogenes Verlag, doch wir konnten trotzdem lauschen, wie sie aus dem Anfangskapitel vorlas. In ihrem Werk dreht sich alles um das Literaturpaar Ted Hughes und Sylvia Plath. Aus der Perspektive von Hughes reflektiert sie seine Ehe und den Selbstmord seiner Frau im Jahr 1963, für den Hughes in zahlreichen Plath-Biografien die Schuld zugewiesen wurde. Connie Palmen legte während der Lesung so viel Gefühl in ihre Worte, dass man Hughes schon fast vor dem inneren Auge sehen konnte, wie er über sein Leben sinniert. Die Atmosphäre war sehr düster und emotional, was ich Palmen anfänglich gar nicht zutraute.

Nach guten anderthalb Stunden Unterhaltung war die Schifffahrt dann auch schon vorbei und wir legten wieder an. Ich werde meine Augen und Ohren bezüglich Saskia de Coster und Connie Palmen offen halten, denn beide Frauen überzeugten an dem Abend nicht nur mit der sympathischen Art, sondern auch mit wahnsinnigem Talent.

Im Anschluss waren Vanessa und ich im Schokoladenmuseum zum Pressegespräch der Frankfurter Buchmesse 2016 geladen. Wir wurden mit Getränken und köstlichen Häppchen empfangen, während man uns in einer Ansprache der Gastgeber willkommen hieß. Für den Auftakt der Buchmesse, bei der dieses Jahr Flandern und die Niederlande zu Gast sind, war es daher auch nicht verwunderlich, dass ausgerechnet Saskia de Coster und Connie Palmen zuvor zur Lesung begrüßt hatten. Möglich machte dies die neue Partnerschaft zwischen der Frankfurter Buchmesse und der lit.COLOGNE, um schon im Vorfeld die Ehrengäste vorstellen zu können.

Celia Solf von ARTEFAKT, Katja Böhne, Bart Moeyaert und Judith Uyterlinde baten zum Pressegespräch. Bart Moeyaert ist der künstlerische Leiter des Ehrengastauftritts auf der Frankfurter Buchmesse und erklärte, dass die Niederlande und Flandern schon zum zweiten Mal Ehrengast sein dürfen. Es biete sich so eine Chance, sich ganz neu zu zeigen und vorzustellen, was sich seit dem ersten Auftritt im Jahr 1993 verändert hat. Dass das Motto Dit is wat we delen / Dies ist, was wir teilen ist, wurde auch im Gespräch näher beleuchtet. Man solle nicht nur sich selbst als Gastland präsentieren, auch deutsche Autoren kämen in die Niederlande und nach Flandern. Eine Zusammenarbeit soll über die Buchmesse hinaus gewährleistet werden können, nicht nur in Frankfurt, sondern auch in ganz Deutschland und darüber hinaus. Moeyaert versteht die Buchmesse nicht nur als Präsentationsfläche, sondern als Ort zum Erleben.

Spätestens nach der Vorstellung weiterer Programmpunkte in diesem Jahr von Judith Uyterlinde, die Teil des Ehrengast-Teams ist, wurde deutlich, dass nicht nur Frankfurt zum Erlebnis-Ort werden soll. Die internationale Jugendbuchwoche im Mai veranstaltet Lesungen von zehn Autoren in Schulbibliotheken, die lange Nacht der Literatur im Herbst lädt ebenfalls niederländische und flämische Autoren ein. In Hamburg findet darüber hinaus das Harbourfront Literaturfestival statt und die Literaturzeitschrift Das Magazin veranstaltet ein Lesefest in Berlin. Im Vordergrund stehe das Kennenlernen, Kreieren und Kooperieren, verrät Judith Uyterlinde.

Katja Böhne, die die Leitung im Marketing und der Kommunikation der Frankfurter Buchmesse übernimmt, erläuterte uns, wie man überhaupt Ehrengast der Messe wird. Natürlich müsse man bestimmte katalogische Bedingungen erfüllen, doch manchmal hat man das Gefühl, es ist jetzt einfach Zeit für ein bestimmtes Gastland. Bei Flandern und den Niederlanden war es auch in diesem Jahr so: es musste jetzt einfach sein. Sehr schön war auch ihre Metapher von der Messe als Galaxie. Es existieren bereits einige Sterne, aber es entstehen auch immer wieder neue Überraschungen, die eine Verbindung zwischen allem herstellen.

Saskia de Coster und Connie Palmen nahmen ebenfalls am Gespräch teil. Es ist Saskia de Costers erster Auftritt auf der Buchmesse. Vorher habe sie keinen Grund gesehen teilzunehmen, doch nun wo Flandern und die Niederlande Ehrengast sind, habe sie einen Platz im großen Ganzen gefunden. Connie Palmen kennt die Buchmesse bereits, sie empfinge alles als sehr groß, sehr schnell und sie bekomme alles gar nicht richtig mit. Ich konnte ihren Gedankengang gut nachvollziehen, auch ich fühle mich auf den Messen manchmal so. Dennoch freue ich mich auch jetzt schon auf das kommende Programm. Die Ehrengäste konnten mich vollends überzeugen und ich werde in nächster Zeit auf jeden Fall etwas genauer in den Buchregalen stöbern, um mich mehr über die aktuelle flämische und niederländische Literatur zu informieren.

Vielen Dank an Vanessa, die ich zu den tollen Veranstaltungen begleiten durfte! 




Saskia de Coster und Connie Palmen im Gespräch mit Stefan Wieczorek und der Schauspielerin Milena Karas

Bart Moeyaert beim Empfang zum Pressegespräch


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