Rezension: Willkommen in Night Vale

Das Buch, das ich euch heute vorstellen möchte, war mir schon ein Begriff als der Podcast dazu erschien. Ich hatte mich aber irgendwie nicht so ganz mit dem Podcast anfreunden können und so war ich umso glücklicher, in die Welt von Night Vale eintauchen zu dürfen, als der Roman Willkommen in Night Vale veröffentlicht wurde! Was Engel, am Körper haftenbleibende Botschaften und Gestaltwandler mit dem Roman zu tun haben, erzähle ich euch in meiner heutigen Rezension. 



Night Vale ist eine ganz besondere Stadt. Sie liegt nicht nur inmitten der amerikanischen Wüste, sie wird auch noch von einigen merkwürdigen Kreaturen bewohnt. Seien es Engel, deren Existenz trotz ihrer Erscheinung vehement bestritten wird oder Häuser, die selbstständig denken können. Jackie Fierro altert nicht. Sie ist schon seit Ewigkeiten 19 Jahre alt und bestreitet ihren Alltag, indem sie ein Pfandhaus in Night Vale betreibt. Als ihr eines Tages ein Mann einen Zettel verpfändet, auf dem nichts weiter als King City steht, wird sie diese Botschaft nicht mehr los. Wortwörtlich, denn der Zettel erscheint immer wieder in ihren Händen, sogar wenn sie ihn zerstört. Sie tut sich mit der Mutter eines Gestaltwandlers zusammen, um der Sache auf den Grund zu gehen und herauszufinden, was es mit der Botschaft auf sich hat.



Fantasy pur! In dem Roman kommen phantastische Kreaturen nicht zu kurz und auch die Handlungsstränge sind magieerfüllt und scheinen manchmal realitätsfern. Das Genre sorgt allerdings auch dafür, dass manche Aspekte unerklärbar sind und man so beispielsweise nicht erfährt, warum etwas so ist, wie es ist. Als Leser muss man viele Dinge einfach als selbstverständlich annehmen, um der Geschichte zu folgen.
Aber nicht nur das hat meiner Meinung nach zu vielen Verwirrungen geführt. Auch der Schreibstil ist nicht ohne und erst recht nichts für mal eben zwischendurch. Ich musste dauerhaft konzentriert bleiben, um weiterzulesen, was mir lästig erschien. Die Satzstruktur ist gewollt künstlerisch. So liest man oft von Dingen, die so sind, aber dann doch anders sind und man weiß im Endeffekt nicht mehr, woran man ist und was man glauben soll. Ich fühlte mich, als würde man mir unbedingt aufdrängen wollen, dass das Buch einen großen künstlerischen Anspruch erfüllt. Währenddessen saß ich mit gerunzelter Stirn vor dem Buch und schüttelte den Kopf.

Das Buch ist aus verschiedenen Perspektiven geschildert, was mir gut gefiel, weil es für viel Abwechslungsreichtum sorgte. Man begleitet auf diese Weise nicht nur Jackie durch ihre Geschichte, sondern erfährt auch mehr über die alleinerziehende Mutter. Besonders mochte ich die Kapitel von und mit Cecil, dem Radiosprecher und somit der Stimme von Night Vale. Cecil greift auf humoristische Art nicht nur die geschehenen Erlebnisse erneut auf, er gibt dem Leser auch einen größeren Einblick in die Stadt.
Und gerade der Humor des Romans ist für mich besonders lobenswert. Manchmal steckt ein Lacher zwischen den Zeilen, ein anderes Mal war es eine Anspielung, die mich zum Schmunzeln brachte. Auch die vielen verrückten Gestalten sind auf ihre eigene Art witzig.

Die Figuren waren mir nicht alle sympathisch. Besonders mit der alleinerziehenden Mutter konnte ich mich aufgrund ihrer fragwürdigen Erziehungsmethoden einfach nicht anfreunden. Ich war manchmal regelrecht entsetzt, wie sie mit ihrem Sohn umging und konnte nicht nachvollziehen, warum sie so handelte. Mit Jackie konnte ich mich schon eher identifizieren, auch wenn man anfänglich wenig über sie erfährt. Dass ich Cecil am interessantesten fand, wird wohl schon aufgrund der Tatsache klar sein, dass mir die Kapitel über die Stimme von Night Vale am besten gefielen. Er hat mich immer erheitert und gut unterhalten!

Meiner Meinung nach wird die Spannung zu Beginn viel zu lange aufgebaut. Als ich auf den letzten 100 Seiten des Romans war, fragte ich mich oft, wann endlich etwas Richtiges passieren würde. Die Figuren grübeln vor allem viel vor sich hin, was grundsätzlich nicht schlecht ist, aber ich fand, dass diese Nachdenklichkeit zu nichts führte. Die tatsächliche Action und das eigentliche Handeln, um das, worum es wahrhaftig geht, geschahen für meinen Geschmack viel zu spät. Man redet ordentlich um den heißen Brei und stellt Nachforschungen an, die in Sackgassen münden. Natürlich kann man nicht sofort der richtigen Spur folgen, aber ich hätte in dem Fall das Buch einfach gekürzt, damit sich mehr auf den roten Faden konzentriert wird.
Das lässt sich auch über die Lösung am Ende sagen, die mir zu simpel erschien. Ich hatte das Buch mit dem Gedanken Das war es jetzt etwa schon? geschlossen und kann mich immer noch nicht so recht damit anfreunden, wie das Ende präsentiert wurde. Aufgrund der vielen verzwickten Dinge, die passieren, hätte ich mir auch ein mindestens genauso irres Ende der Geschichte vorgestellt und war dann doch etwas enttäuscht.




Im Gesamten haben mir das Konzept der Stadt und vor allem die abgedrehten Wesen sehr gut gefallen, doch wie der Roman verpackt wurde, war einfach nicht mein Geschmack. Der Schreibstil war mir zu prätentiös, der Spannungsaufbau zu groß für ein zu lasches Ende. Ich mag die Welt von Night Vale, aber die Geschichte von Jackie, King City und Co. konnte mich aufgrund der Verwirrungen einfach nicht begeistern. Aus diesem Grund vergebe ich drei von fünf möglichen Lesebrillen für Willkommen in Night Vale.


  



Titel: Willkommen in Night Vale
Autoren: Joseph Fink und Jeffrey Cranor
Übersetzung: Wieland Freund und Andrea Wandel
Verlag: Klett-Cotta Hobbit Presse
Preis: 19,99€
ISBN:  978-3-608-96137-9
Sonstiges: Hardcover, 378 Seiten

Die genannten Details sind der Website von Klett-Cotta entnommen.

Vielen Dank an Klett-Cotta!




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