Rezension: Das Spiel von Liebe und Tod


Heute möchte ich euch einen besonderen Titel aus dem Loewe Verlag vorstellen. Der Jugendroman Das Spiel von Liebe und Tod von Martha Brockenbrough personifiziert Liebe und Tod gleichsam und zeigt sie als Konkurrenten eines Spiels, dem sich zwei junge Menschen stellen müssen. Flora und Henry wissen nicht, dass sie zu ihren Spielfiguren geworden sind. Wie mir der Roman gefallen hat, der übrigens im Jahre 1937 in Amerika spielt, erfahrt ihr in meiner Rezension.





Schon seit Anbeginn der Zeit liefern sich Tod und Liebe einen Wettstreit, indem sie zwei Mitspieler auswählen. Ob Romeo und Julia oder nun Flora und Henry: die Spieler müssen sich bis zu einem bestimmten Datum ineinander verlieben oder erliegen dem Willen von Tod. Nur einer von beiden kann das Spiel gewinnen, siegt die Liebe oder der Tod? Im Jahre 1937 steht Henry, der von wohlhabenden Freunden seiner Eltern aufgenommen wurde, nachdem sie verstarben, kurz vor seinem Schulabschluss. Als er auf die Sängerin Flora trifft, will er nichts lieber als die Stimmen der Gesellschaft verstummen lassen. Ein dunkelhäutiges Mädchen, das ihren Träumen nachjagt, Pilotin zu werden und ein weißer Junge – zu der damaligen Zeit in Seattle ist eine Beziehung der beiden nahezu ausgeschlossen. Henry und Flora sind Figuren im Spiel von Liebe und Tod. Doch wer gewinnt am Ende?



Der Schreibstil nahm mich schon auf den ersten Seiten völlig ein. Martha Brockenbrough hat eine ganz eigene Erzählart: unglaublich melodisch und bildhaft. Musik und Gesang spielen in dem Jugendroman eine wichtige Rolle und man kann fast hören, wie die Töne den Seiten entgleiten. Manchmal habe ich mit offenem Mund dagesessen oder mir Stellen markiert, die besonders schön und elegant geschrieben sind. Einiges versteckt sich aber auch zwischen den Zeilen, sodass man als Leser vor allem aufmerksam vorangehen muss. Das führte manchmal dazu, dass mir hier und da etwas entging und ich nochmal zurückblättern musste, um zu verstehen, was geschehen ist.
Die Geschichte wird aus der Perspektive eines allwissenden Erzählers in der dritten Person Singular geschildert. Dadurch folgt man nicht nur den Gedanken von Liebe und Tod, sondern auch von Flora und Henry und sogar einige Nebenfiguren werden dadurch in ein völlig neues Licht gerückt.

Fast fühlt man sich ins Jahr 1937 zurückversetzt, in dem die Geschichte spielt. Die Autorin macht es dem Leser leicht, sich in das Setting und die ausgewählten Lokale zu verlieben. Man hat das Gefühl, direkt dabei zu sein, wenn Flora auf der Bühne steht und in dem verrauchten und dunklen Club singt. Es ist, als mache man eine kleine Zeitreise zurück in die Geschichtsbücher.
Damit sollte aber auch klar werden, dass vor allem das Thema der Rassentrennung häufig angesprochen wird. Rassismus ist zu diesem Zeitpunkt in Seattle noch ganz normal: es gibt Restaurants und Clubs für Weiße sowie für Schwarze und man kann gar nicht anders, als mit Henry mitzuleiden, der stets darüber sinniert, warum das eigentlich so ist. Man wünscht sich einfach nur, dass die Menschen die Augen öffnen und erkennen, was falsch läuft. Darunter leidet auch die Beziehung zwischen Flora und Henry, die von allen anderen mit schiefen Blicken gemustert werden. Es ergeben sich bei beiden alltägliche Probleme: von den Orten, an denen sie gemeinsam essen dürfen bis hin zu dem Wunsch, sich öffentlich als Paar zu zeigen. Das Herz hat mir wirklich häufig geblutet!

Es fiel mir schwer, das Buch zuzuklappen und mich vorerst von den wundervollen Charakteren zu verabschieden. Henry ist nicht nur charmant, sondern entlockte er mir ab und an ein Schmunzeln. Obwohl er ein guter Schüler ist, beläuft sich sein größtes Interesse eher auf die Musik. Dass das von seinem Ziehvater gar nicht gern gesehen wird, sollte klar sein, denn seiner Meinung nach ist Henry zu einem erfolgreicheren Gewerbe bestimmt. Ähnlich wie sein Sohn Ethan, den ich als Nebencharakter ebenfalls schnell lieben lernte. Neben der Rassismus-Debatte baut diese Figur ein weiteres Thema in die Geschichte ein, das in den 30ern tabu war. Ethan muss dem Druck standhalten, Männer zu mögen und es treibt einen Tränen in die Augen, wenn er sich wünscht normal zu sein, weil die Gesellschaft ihn als krank ansieht. So passiert es nicht selten, dass man beim Lesen eine ordentliche Portion Wut anstaut!
Auch Flora gefiel mir als Charakter gut, wobei es mir bei ihr schon schwerer fiel, sie in mein Herz zu lassen. Das eher verschlossene Mädchen macht es einem nicht leicht – obwohl man nur träumerisch nachhängen kann, wenn sie an einem Flugzeug schraubt oder über das Fliegen nachdenkt. Manchmal wollte ich Flora wegen ihrer Verbissenheit allerdings gerne etwas an den Kopf werfen! Jedoch muss sie so sein, um das Konzept des Romans zu erfüllen und so konnte ich gar nicht anders, als das zu akzeptieren.
Besonders spannend sind die Auftritte von Tod und Liebe. Die beiden treten nicht nur als Personen auf, sondern manchmal auch als Tiere und man erkennt sofort, wenn die Autorin die zwei ins Spiel bringt. Ihre Verbindung zueinander und auch zu Henry und Flora ist sehr emotional und hat mich wirklich beeindruckt. Es war spannend zu sehen, wozu Tod und Liebe alles fähig sind und in welcher Art sie Leben beeinflussen können. Auf diese Weise werden auch historische Schicksalsschläge zu Ereignissen im Buch, wie beispielsweise der Absturz der Hindenburg.

Je mehr ich mich dem Ende näherte, desto eher häuften sich allerdings die Fragen bei mir. Ich verstehe auch jetzt noch nicht ganz, warum das Spiel zwischen Tod und Liebe überhaupt notwendig ist, was für mich ein großes Loch in die Erzählung riss. Es kam mir nicht vor, als spielten die beiden nur aus Langeweile um Schicksale – dafür ist die Geschichte von Flora und Henry auch zu wichtig und berührte mich auf den letzten Seiten so sehr, dass ich weinen musste. Ich hätte mir gewünscht, dass das große Drumherum noch etwas genauer beschrieben worden wäre.


Insgesamt hat mich Das Spiel von Liebe und Tod aber durchaus überzeugt. Ich wollte das Buch gar nicht mehr aus den Händen legen, so sehr habe ich mich in Flora und Henry verliebt. In mir stieg zudem die Lust nach Jazz-Musik – das muss ein Roman auch erst einmal schaffen! Ich vergebe dem Jugendbuch von Martha Brockenbrough daher vier von fünf möglichen Lesebrillen und kann mir vorstellen, die Seiten irgendwann nochmal aufzuschlagen, um vielleicht noch mehr zu entdecken, was mir beim ersten Lesen möglicherweise entgangen ist.






Titel: Das Spiel von Liebe und Tod
Autorin: Martha Brockenbrough
Übersetzung: Jessika Komina, Sandra Knuffinke
ISBN: 978-3-7855-8262-6
Verlag: Loewe Verlag
Preis: 18,95€
Sonstiges: 400 Seiten


Die genannten Details sind der Website von Loewe entnommen.

Vielen Dank an den Loewe Verlag für das Leseexemplar!






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