Rezension: Die Feder eines Greifs


Endlich, endlich, endlich ist ein neues Buch von Cornelia Funke auf dem Markt! Und zwar nicht irgendeins, es handelt sich um den zweiten Band der Drachenreiter-Geschichte, deren erster Teil 1997 erschien. Neunzehn Jahre später veröffentlicht die Autorin beim Oetinger Verlag Die Feder eines Greifs, den zweiten Band des Bestsellers. Wie mir der Roman als großer Funke-Fan gefiel, erzähle ich euch heute in meiner Rezension.





Ben ist vierzehn Jahre alt und lebt mit seiner Adoptivfamilie, den Wiesengrunds, an einem wahrlich magischen Ort. Fantasiewesen aller Art finden dort einen Unterschlupf und ein gutes Zuhause, so auch der Drache Lung, mit dem Ben schon einige Abenteuer bestritten hat. Zwei Jahre ist es her, seitdem sie Nesselbrand besiegt haben und nun stehen sie einem Pegasus gegenüber, der seinen Nachwuchs retten will. Die einzige Rettung scheint die Feder eines Greifs, doch ausgerechnet die Greifen zählen zu den größten Feinden der Drachen. Die Wiesengrunds setzen alles daran, die Fohlen zu retten, doch zu welchem Preis nehmen sie die Reise nach Indonesien auf? Können sie es tatsächlich schaffen und den Fabelwesen helfen?



Ich war natürlich wahnsinnig aufgeregt, als ich davon hörte, dass Drachenreiter fortgesetzt werden würde, doch gleichzeitig hatte ich auch Angst, dass ich vielleicht nicht zufrieden wäre. Ein weiterer Band nach neunzehn Jahren, da weiß man gar nicht, was man dazu sagen soll. Cornelia Funke erzählt in einem Interview, dass die Geschichte sie einholte und dann einfach niedergeschrieben werden musste – und darüber bin ich sehr froh!

Der Roman ist aus unterschiedlichen Perspektiven geschildert und folgt so nicht nur einer Figur durch den Erzählstrang. Mal begleiten wir Ben, manchmal erfahren wir sogar etwas mehr über die Gedankenwelt eines Drachen! Dadurch, dass sich die Perspektiven häufig und fast nach jedem Kapitel ändern, bleibt die Spannung aufrechterhalten und man lernt, die Beweggründe nahezu jeden Charakters zu verstehen.

Weder Ben noch Lung oder die Wiesengrunds haben sich besonders verändert. Alle sind etwas mutiger geworden und daher auch ein bisschen waghalsiger in ihren Unternehmungen. Neben den altbekannten Figuren werden auch neue Charaktere eingeführt. So kann man sein Herz an den Drachen Tattoo verlieren (wehrt euch nicht dagegen, es passiert sowieso!), zittert vor den Greifen und möchte mit Winston Pulau Bulu erkunden. Die neuen Figuren, Fabelwesen und Tiere bereichern die Geschichte zwar ungemein und sind vor allem wegen ihrer Exotik besonders interessant. Allerdings verlor ich häufig den Überblick über sie. Es werden zahlreiche Namen genannt, die ich häufig hinten im Figurenverzeichnis nachschlagen musste, um sie zuordnen zu können. Das fand ich ein wenig schade.

Es hat ein etwas gedauert, bis ich wieder in die Geschichte hineinfand. Daher war ich sehr dankbar, dass die Autorin immer wieder ein paar Rückblicke eingefügt hat. So erinnert sich beispielsweise der Homunkulus Fliegenbein wehmütig an seine Geschwister.
Allerdings baute sich der Roman dadurch auch sehr lange auf. Es dauert viele Kapitel, bis Ben und seine Freunde überhaupt auf die Reise gehen und ich dachte daher oft, wann geht es endlich richtig los? Die zweite Hälfte von Die Feder eines Greifs ist da etwas rasanter.

Natürlich dürfen auch die Illustrationen nicht fehlen! Cornelia Funke hat die Zeichnungen selbst angefertigt und daher kann man sich ganz gut vorstellen, wie die Figuren oder Orte aussehen. Sie wirken fast lebendig, wie sie uns von den Seiten her beobachten. Mal sind nur kleine Zeichnungen am Seitenrand zu finden, manchmal hat sie auch etwas gleich über zwei Seiten illustriert. Die Fantasie nimmt kein Ende!

Mich hat es sehr begeistert, dass wir neue Fabelwesen kennenlernen durften. Cornelia Funke beschreibt sie, als würden sie tatsächlich unter uns leben und ich bin fast schon der Meinung, täglich dem einen oder anderen Wesen zu begegnen. Aber nicht nur Fabelwesen, auch die eher gewöhnlichen Tiere haben in ihrem Roman eine wichtige Rolle.
Gehe sorgsam mit deiner Umwelt um, so scheint die Botschaft zu sein, die man zwischen den Zeilen lesen kann. Jedes Tier ist kostbar, jedes Wesen wichtig. Die Wiesengrunds sind selbsternannte Artenschützer und bekommen Hilfe von der internationalen Organisation FREEFAB. Man möchte gleich mit unter die Tierschützer gehen, wenn man nur so durch die Seiten fliegt! Die Feder eines Greifs lenkt die Blickrichtung auf das Wesentliche und zeigt nicht nur die Seite der Tierschützer, sondern erklärt auch die Motive der Wilderer.

Wer jetzt glaubt, dass mit erhobenem Zeigefinger gesprochen wird, kann beruhigt aufatmen. Mit einer Portion Humor und einem noch größeren Gefühl der Entdeckungslust begibt man sich im zweiten Drachenreiter-Band auf eine spannende Reise nach Indonesien. Fast ist es so, als würde man selbst dorthin reisen.

Das Ende hat mich dann doch allerdings weniger überzeugt. Nach einem kurzen Herzstillstand-Moment habe ich mir einen größeren Ausblick auf die Zukunft erhofft. Meiner Meinung nach sind noch zu viele Schicksale offen – was auf der anderen Seite aber auch einfach darauf hindeuten könnte, dass Cornelia Funke weitere Geschichten aus diesem Universum schreiben möchte. Der Roman ging recht schnell zu Ende und ich blieb mit ein paar Fragezeichen über dem Kopf zurück. An der Stelle merkte ich, dass sich Die Feder eines Greifs deutlich auch an ein junges Publikum richtet.


Man kann es eigentlich nicht anders sagen, aber Die Feder eines Greifs ist ein typisches Cornelia Funke Buch. Der Sprachstil und die Illustrationen der Autorin bleiben uns glücklicherweise erhalten und die Geschichte macht nicht nur Spaß, sondern ist sie auch lehrreich. Ich habe mir wieder viele wundervolle Zitate markiert, denn Cornelia Funkes Art zu erzählen ist einfach einmalig – und mehr als atemberaubend. Schlussendlich war ich sehr froh, dass ein zweiter Band geschrieben wurde, auch wenn mir am Ende alles etwas zu schnell ging. Ich vergebe vier von fünf möglichen Lesebrillen und hoffe darauf, dass ganz bald das nächste Buch meiner Lieblingsautorin erscheint.






Titel: Die Feder eines Greifs
Autorin: Cornelia Funke
ISBN: 978-3-7915-0011-9
Verlag: Dressler
Preis: 18,99€
Sonstiges: 416 Seiten


Die genannten Details sind der Website von Oetinger entnommen.

Vielen Dank an den Oetinger Verlag für die Fahne und das Leseexemplar!







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