Rezension: Elanus


Wie würdest du es finden, wenn dich jemand mit einer Drohne überwacht und deine Geheimnisse entdeckt? Für Jona ist das nichts weiter, als ein amüsanter Zeitvertreib. Mit seinem schlauen Köpfchen hat er die Drohne namens Elanus entwickelt, um die es im gleichnamigen Roman geht. Der neue Jugendbuch-Thriller von Ursula Poznanski führt uns in eine Welt der Spionage. Wie mir der Titel gefallen hat und warum das Buch aus dem Loewe Verlag einen ganz besonderen Protagonisten vorführt, erfahrt ihr in meiner heutigen Rezension!





Jona ist überdurchschnittlich intelligent für sein junges Alter, weshalb er die einmalige Chance eines Stipendiums an einer Universität erhält. Eine neue Umgebung, neue Leute – die will Jona aber erst einmal näher kennenlernen und so lässt er seine Drohne Elanus heimlich fliegen, um die Geheimnisse seiner Mitmenschen aufzudecken. Ihm ist bewusst, dass diese Art der Spionage illegal ist, doch Jona kann seine Neugierde nicht zügeln. Als an der Universität etwas Schreckliches passiert, mischt er sich mit der Hilfe von Elanus ein und auf einmal ist Jona derjenige, dem etwas Furchtbares widerfahren könnte.



Elanus ist ein klassisches Poznanski-Werk: ein Jugendbuch-Thriller, der die Nerven strapaziert mit der Thematik rund um die moderne Technik. Ich habe mich lange auf diesen Roman gefreut, da Ursula Poznanski eine grandiose Autorin ist, die einfach weiß, wie man spannende Bücher schreibt. Demnach waren die Erwartungen an diesen Titel besonders hoch!

Der Roman ist in der dritten Person Singular geschrieben und folgt ausschließlich Jonas Erzählstrang. Die Perspektive sorgte in meinem Fall dafür, dass ich mich nicht allzu sehr mit dem Protagonisten identifizieren konnte (warum das so gut gelöst ist, erfahrt ihr im kommenden Absatz!). Der Erzähler ist außerdem unzuverlässig: man weiß nie so recht, wem man jetzt eigentlich trauen soll und kann. Sogar Jonas Gedankengänge werden infrage gestellt, was dazu führt, dass jeder zum Verdächtigen wird. Es hat viel Spaß gemacht, darüber selbst Überlegungen anzustellen und ich war gespannt, wie sich diese Handlung auflöste.

Jona ist herrlich unsympathisch, was ich als besonders erfrischend empfand. Meist kann man sich irgendwie mit einem Protagonisten identifizieren, aber hier war mir gleich klar, dass ich Jona einfach nicht mochte. Er ist selbstverliebt und daher ganz schön hochnäsig, was sein eigenes Wissen betrifft. Er glaubt, er sei der Klügste und behandelt seine Kommilitonen und auch seine Gasteltern deshalb nicht immer fair. Im Verlauf des Romans wurde Jona mir aber immer sympathischer. Je mehr Kontroller er abgeben musste, so liebenswürdiger wurde er. Allerdings reichte das am Ende nicht, um wirklich zu sagen, dass ich Jona mochte – aber genau das ist es, was mir wahnsinnig an Elanus gefiel. Ursula Poznanski hat hier ein grandioses Charakter-Konzept geschaffen.
Neben Jona erfahren wir auch einiges über seine Gastfamilie, die Helmreichs, die auf mich eher unnahbar wirkten. Besonders mochte ich den Nachbarn Pascal, der mit seiner fröhlichen Art einen starken Kontrast zu Jona bildet. Er brachte mich nicht nur zum Lachen, er wirkte an vielen Stellen auch wie ein aufgeregtes Kind, wenn es um Elanus ging. Jonas Kommilitonen dagegen könnten sich nicht mehr voneinander unterscheiden. Marlene, die täglich Listen über Dinge führt, die ihr unangenehm sein könnten (beispielsweise einmal am Tag nett zu jemandem sein, der es gar nicht verdient hat) ist ganz klar die Sympathieträgerin in diesem Roman!

Die Technik spielt auch in diesem Poznanski-Titel wieder eine große Rolle. Elanus ist nicht menschlich, aber irgendwann betrachtet man ihn als eigenständige Figur im Roman. Die Drohne ist handgebaut und deshalb auch auf die Wünsche von Jona zugeschnitten. Vordergründig fungiert sie als Spionagewerkzeug, da Jona nicht gerne mit anderen Leuten spricht oder soziale Kontakte knüpft. Mit der Hilfe von Elanus kann er sein Umfeld ausspionieren und sich die Schwächen anderer zum Vorteil machen, um selbst zu brillieren. Elanus ist aber auch gefährlich, denn eigentlich muss jede Drohne angemeldet sein, um legal fliegen zu dürfen. Weil Jona Angst hat, dass man ihm Elanus wegnimmt, lässt er ihn ohne Papiere auf die Menschheit los – und das erregt früher oder später Aufmerksamkeit.
Die Drohne ist ein Schauermärchen für sich. Wer möchte schließlich gerne hinter seinem Rücken ausspioniert werden? Bei der Vorstellung davon sträubten sich bei mir die Nackenhaare und ich musste mir direkt vorstellen, wie ich beim Lesen im Bett von einer Drohne überwacht werde. Dass Jona vor allem so schamlos mit der Privatsphäre seiner Mitmenschen umgeht, war wirklich furchteinflößend!

Man kann den Roman eigentlich gar nicht aus der Hand legen, wenn man einmal begonnen hat, darin zu lesen. Die Spannung baut sich schnell auf und man möchte einfach nur endlich wissen, was eigentlich los ist. Daher konnte ich gar nicht anders, als vor allem gegen Ende des Buches viele Seiten auf einmal zu verschlingen. Wer nervenaufreibende Bücher liest, ist bei Elanus definitiv an der richtigen Stelle! Bis zum Schluss ist man sich nicht sicher, wer hier eigentlich wen belogen hat und welche Rolle die Drohne überhaupt spielt.


Elanus war durch den herrlich unsympathischen Protagonisten einfach mal etwas ganz anderes. So einer Figur begegnet man in Jugendbüchern nicht gerade oft, was hoffentlich frischen Wind in die Leseszene bringt. Ich war von Anfang an gespannt, wohin mich der Roman führen würde und am Ende trotzdem überrascht, wie das Buch endete. Dadurch, dass man dem Erzähler nie so recht glauben konnte, wurde ich beim Lesen mehrfach in die Irre geführt, was die Spannung aufrecht erhielt. Ich freue mich deshalb jetzt schon auf den nächsten Poznanski-Roman, der hoffentlich auch so grandios wird, wie die Geschichte rund um Elanus. Aus diesem Grund vergebe ich fünf von fünf Lesebrillen für Ursula Poznanskis Jugendthriller Elanus.






Titel: Elanus
Autorin: Ursula Poznanski
ISBN: 978-3-7855-8231-2
Verlag: Loewe
Preis: 14,95€
Sonstiges: 416 Seiten


Die genannten Details sind der Website von Loewe entnommen.

Vielen Dank an den Loewe Verlag für das Leseexemplar!







Kommentare:

  1. Huhu liebe Lea,

    das Buch liegt noch auf meinem SuB. Aber dank deiner tollen Rezension freue ich mich jetzt so richtig drauf und werde es wohl schnellstmöglich lesen :)

    Liebste Grüße
    Sonja

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    1. Liebe Sonja,

      vielen Dank! Ich freue mich, dass ich dich für den Roman begeistern konnte!

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