Rezension: Gangsta-Oma


Heute habe ich ein wundervolles Kinderbuch für euch! Gangsta-Oma von Autor und Little Britain-Comedian David Walliams erzählt die Geschichte von Bens verwegener Oma, die früher einmal Juwelendiebin war. Warum dieser Titel für mich zu einem richtigen Überraschungshit wurde, erfahrt ihr heute in meiner Rezension!





Der junge Ben ist einfach nur genervt: von seinen Eltern, die ihn unbedingt zum Tänzer machen wollen, obwohl er ganz andere Träume hat und vor allem von seiner Oma. Jeden Freitagabend muss er zu ihr, auch wenn Ben das gar nicht möchte. Oma riecht komisch, sie will immer nur Scrabble spielen und außer Kohl kocht sie nichts anderes, sodass Ben stets hungrig ins Bett kriecht. Er findet es unfair, dass sich seine Eltern amüsieren und er bei seiner langweiligen Oma bleiben muss – bis Ben Omas Geheimnis entdeckt! Er findet heraus, dass sie eine legendäre Juwelendiebin war und nun den finalen Raubzug plant: Oma will die Kronjuwelen stehlen! Seitdem kann Ben gar nicht genug davon bekommen, jeden Freitag zu ihr zu gehen.



Das erste Mal erfuhr ich von Gangsta-Oma dank dem Rowohlt Verlag auf der Buchmesse. Ich bin ein Fan der Comedy-Serie Little Britain und wusste bis dato gar nicht, dass David Walliams auch Romane schreibt. Daher war ich umso gespannter, ob ich den typisch britischen Humor auch in seinen Kinderbüchern wiederfinden würde.

Dass es sich bei dem Titel um ein Kinderbuch handelt, wird – wenn nicht schon durch Titel und Cover – spätestens durch die Aufmachung klar. Die Kapitel sind kurz und knackig, sodass man nur so durch die Seiten fliegt. Daher war es auch nicht verwunderlich, dass ich den circa 250 Seiten langen Titel in wenigen Stunden ausgelesen hatte. Die Sätze sind zwar einfach gehalten, behalten aber dennoch einen literarischen Anspruch, sodass man das Buch ebenfalls als Erwachsener gut lesen kann.
Gangsta-Oma ist in der dritten Person Singular erzählt und folgt vor allem Bens Perspektive. Manchmal weicht der Autor jedoch von seinem Erzählstrang ab und spricht direkt zu den Lesern, er durchbricht gekonnt und mit Witz die vierte Wand.
Ein wichtiges Stilmittel ist die Onomatopoesie. Ob nun einzelne Wörter lautgemalt werden, weil sie gebrüllt oder geflüstert werden oder ob ein Husten oder Rülpser dadurch besonders lustig inszeniert wird – dadurch bekommt das Lesen nicht nur eine ganz eigene Dynamik , ich musste auch oft schmunzeln.

Gerade die Illustrationen werden es jüngeren Lesern leicht machen, dass beim Lesen keine Langeweile aufkommt. Ich habe mich sehr über die schlichten Zeichnungen von Tony Ross gefreut, die die Szenen aus den Kapiteln nochmal aufgreifen. Die Bilder unterstützen nicht nur das Format als Kinderbuch, sondern helfen auch, um sich manche Szenen noch besser vorstellen zu können.

Der Aufbau der Geschichte kam mir relativ lang vor. Es dauert viele Seiten lang, bis Oma überhaupt beginnt, aus dem Nähkästchen zu erzählen. Ob ihre Geschichten dann wirklich für voll genommen werden können, muss wohl jeder selbst wissen, aber ich hatte zwischendurch Schwierigkeiten, Bens Oma ernst zu nehmen. Bei einem Kinderbuch ist das jedoch gar nicht so relevant, da darf Oma auch mal ein wenig übertreiben.
Als Gangsta-Oma spielt auch die Moral eine große Rolle. Ich habe mich mehrfach gefragt, ob es sinnvoll ist, die Diebeszüge von Oma zu glorifizieren, doch es schlug unmittelbar die Moral zu: Oma klaut nur von den bösen Menschen und will die Kronjuwelen sogar nach dem geplanten Diebstahl zurückbringen, weil es nicht recht wäre, Staatseigentum zu behalten. Mir gefiel es gut, dass an Werten festgehalten wurde und Bens sympathische und liebevolle Großmutter dadurch nicht wirklich zu einem fiesen Gangster wird.

Generell ist die Beziehung zwischen Ben und seiner Familie ein zentraler Aspekt des Romans. Ben ist noch sehr jung, versteht sich aber relativ schnell als Außenseiter. Er hat andere Hobbies als seine Eltern und hat dadurch oft das Gefühl von ihnen ausgeschlossen zu werden. Dazu kommt, dass Bens Eltern ihn immer bei seiner Oma abgeben, deren Beziehung am Anfang des Romans noch sehr schwierig ist. Der Roman macht deutlich, wie man sich als Kind schon als schwarzes Schaf der Familie fühlen kann und weist Spannungen innerhalb der Familie auf. Ben sagt ganz deutlich, dass er oft das Gefühl hat, seine Eltern würden ihn gar nicht lieben – das hat mich traurig gestimmt, aber gleichzeitig deutlich gemacht, wie wichtig es ist, seinen Kindern zuzuhören. So sind Bens Eltern auch recht bestimmend, was seine Zukunft angeht. Sie wollen, dass er ein Tänzer wird, auch wenn Ben gar kein Talent und vor allem keine Lust zum Tanzen hat. Seine Wünsche und Träume werden nicht ernst genommen, sodass eine noch größere Distanz zwischen Ben und seinen Eltern besteht. Das Kinderbuch arbeitet diese Problematiken heraus und zeigt Lösungsansätze, wie sich die Familiensituation bessern kann.

Vor allem aber hat mich das Ende des Romans überrascht und sogar ziemlich aus den Bahnen geworfen. Die Geschichte nimmt ein bittersüßes Ende und sorgte dafür, dass ich unterwegs beim Lesen ein paar Tränen verdrückte. Damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet – ein weiterer Aspekt, warum das Buch nicht nur für Kinder geeignet ist.


Gangsta-Oma war für mich ein absoluter Überraschungstitel. Mit dem Charme und Witz von David Walliams musste ich oft beim Lesen schmunzeln und hatte richtig Spaß beim Verschlingen dieses Romans. Dass es sich dabei um ein Buch für Kinder handelt, könnte man fast verdrängen, wären da nicht die Illustrationen und der Einsatz von Stilmitteln wie der Lautmalerei. Die Geschichte rund um Omas Diebeszüge wird trotz der Thematik nicht glorifiziert und die Moral bleibt erhalten. Insbesondere das Romanende hat mich sehr überrascht, sodass ich Gangsta-Oma von David Walliams fünf von fünf Lesebrillen vergebe.






Titel: Gangsta-Oma
Autor: David Walliams
ISBN: 978-3499217401
Verlag: Rowohlt Rotfuchs
Preis: 14,99€
Sonstiges:  251 Seiten, Hardcover


Die genannten Details sind der Website von Rowohlt entnommen.

Vielen Dank an Rowohlt für das Leseexemplar!



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