Interview: Tobi Dahmen


Tobi Dahmens Fahrradmod beleuchtet autobiografisch die Mod-Szene. Der Künstler wurde für seinen 480 Seiten langen Comic nicht nur für den Max und Moritz-Preis nominiert, er erhielt auch den zweiten Platz des Sondermann Preises der Frankfurter Buchmesse. Auf der Messe sprach ich mit ihm über seine Liebe zur Musik und Comics sowie über seine über acht Jahre andauernde Arbeit an Fahrradmod.

Dahmen las schon immer gerne Comics und zeichnete daher auch selbst. Ob er nun T-Shirt Logos für Freunde in der Schule designte oder kurze Strips zeichnete. Das Projekt Herrensahne bot ihm 1999 die Möglichkeit mit befreundeten Zeichnern etwas gemeinsam zu machen. Anfänglich handelte es sich dabei um selbst kopierte Heftchen, bis die Arbeit daran immer professioneller wurde. So gewann das Projekt 2005 sogar den ICOM.
Seine Arbeit ist vielfältig. So zeichnete Dahmen unter anderem für das offizielle Playstation Magazin jeden Monat einen Comic. Sein größtes Projekt bleibt jedoch Fahrradmod.

Seit 2007 arbeitete er an seinem Coming of Age-Comic. Zunächst war sein Projekt eher independent, weswegen er auch mit dem Independent Verlag Zwerchfell zusammenarbeitete, die direkt an seinen Titel glaubten. Er zeichnete und zeichnete, das Buch wurde dadurch immer dicker. „So was kostet dann natürlich auch“, verriet mir Dahmen. Deshalb wurde sein Werk schließlich bei Carlsen veröffentlicht.

Aber wie begann sein Leben als Mod eigentlich? Die Selbstfindung ist heute nicht leicht zu rekonstruieren, meint er. Dahmen fühlte sich als Jugendlicher, der in Wesel aufwuchs, anders. Ihn sprach die Musik einfach nicht an, die seine Freunde hörten und das grenzte ihn automatisch ab. Als er jedoch das erste Mal auf eine aus dem Radio aufgenommene Kassette angesprochen wurde, war er gleich Feuer und Flamme. Seine Freunde fingen an, die Musik der Modszene zu hören, was Dahmen begeisterte. Man wollte anders sein, sich abgrenzen. Es fühlte sich richtig an.
London bot für ihn als Kleinstädter einen großen Kontrast, weswegen er die Metropole häufig und gerne besuchte. So hatte er natürlich auch einen gewissen Respekt vor der Stadt, in der die Mod-Szene blühte.

Erst im vergangenen Jahr war Fahrradmod für den Max und Moritz-Preis nominiert. Die Moderatoren baten Tobi Dahmen auf die Bühne, um eine Kostprobe seiner Mod-Tanzküste zu geben. „So konnte ich den Leuten direkt aufs Auge drücken, was ein Mod ist. Das war auch cool.“, schmunzelt er.

Auch heute hat Dahmen noch Kontakt zur Mod-Szene, besucht Partys und tanzt gerne. Allerdings sei die Szene eintöniger geworden. Man wurde erwachsen, hatte nicht mehr das wilde Leben von früher, auch wenn man die Szene trotzdem noch liebt. So säße man zwischen den Stühlen, was Dahmen auch in seinem Comic präzise zeigt.


Vielen Dank an Tobi Dahmen und Carlsen!

Meine Rezension zu Fahrradmod könnt ihr hier lesen.

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