Rezension: Amy Schumer - Aus meinem Leben

Heute möchte ich euch den Titel Inside Amy Schumer – Aus meinem Leben von der amerikanischen Comedian Amy Schumer näherbringen. Bisher kannte ich weder ihr Programm, noch ihre TV-Sendung oder ihre Filme. Ich wollte mich näher mit Amy Schumer beschäftigen und herausfinden, was ihr freches Mundwerk wirklich bietet. Wie mir ihre Autobiografie gefallen hat, erfahrt ihr in meiner Rezension.


Der Titel beschreibt eigentlich schon ganz gut, worum es geht: um das Leben von Amy Schumer. Die Biografie behandelt dabei nicht nur Anekdoten über das Familienleben der amerikanischen Comedian, sie spricht auch über Ausrutscher in ihrem Liebesleben. Bei dem großen Erfolg, den Amy Schumer heutzutage bezieht, dürfen Geschichten über ihren Karriereaufstieg natürlich nicht fehlen. Von Null auf Hundert, so lassen sich einige Erlebnisse von Amy ziemlich gut beschreiben. Die Ups, aber vor allem die Downs ihres Lebens erhalten in ihrer Autobiografie einen großen Platz und zeigen, wie sich Amy trotz Schwierigkeiten gemausert hat.

Das Buch ist aus der Sicht von Amy Schumer geschrieben – was bei einer Autobiografie auch wenig verwundern mag. Auf diese Weise nimmt uns die Comedian mit in ihr Leben und man kann ihren Geschichten gut folgen.
Zwischendurch werden ihre Anekdoten von Tagebucheinträgen unterbrochen. Diese stammen noch aus ihrer Zeit vor ihrem Comedy-Durchbruch, weshalb Amy nicht immer mit ihrem alten Ich einer Meinung ist. Sie kommentiert die Einträge mit Fußnoten – und das mit nicht gerade wenigen! Das macht es manchmal etwas schwierig, die Tagebuchnotizen zu lesen. Ihre Fußnoten überwiegen manchmal schon den eigentlichen Text, was mich zwischenzeitlich doch etwas nervte. Die Einträge hätten auch wunderbar ohne Amys Notizen funktioniert, da man nach kurzer Lesezeit merkt, wie sie tickt.
Neben Tagebucheinträgen findet man auch ein paar wenige private Fotos von Amy an den Kapitelenden. Diese lassen den Leser tief in ihre Privatsphäre blicken und zeigen nochmal deutlich, dass Amy keine Berührungsängste hat.

Die Kapitel sind teilweise recht lang für eine Autobiografie. Dadurch schweift die Autorin auch oft ab und es kommt vor, dass sich Themen deshalb in einigen Kapiteln wiederholen. Mir hätten für den eigenen Lesefluss eine ordentlichere Struktur und kürzere Kapitel besser gefallen. So wirkte es, als würde Amy einige Aspekte immer wieder durchkauen und nicht richtig zum Punkt kommen. Dabei hat sie recht viel zu sagen.

Mir war schon von vornherein klar, dass Amy Schumer frei von der Leber weg, einfach erzählt. Ihr ist kein Thema zu peinlich oder zu unangenehm, ob es nun um feststeckende Kondome geht oder um die volle Hose ihres Vaters. Das führt dazu, dass man sich beim Lesen hier und da selbst ein bisschen schämt. Manchmal sind die Anekdoten sehr lustig, manchmal zum Weglaufen und zum Fremdschämen. Gerade der Humor balancierte für meinen Geschmack zu oft auf einem Drahtseil. Ich habe mir ein Schmunzeln nicht nehmen lassen, doch für den richtigen Brüller reichte es eigentlich nie so ganz, was ich sehr schade fand. Das lag meiner Meinung nach daran, dass einiges zu sehr unter die Gürtellinie geht.
Amy versucht mit Humor auch auf schwierigere Themen aufmerksam zu machen: auf die Krankheit ihres Vaters, bei dem Multiple Sklerose diagnostiziert wurde oder seine Alkoholsucht. Auch häusliche Gewalt in Beziehungen oder Vergewaltigung werden thematisiert. Sie packt die ganz schlimmen Geschichten aus, die zwar Interesse erwirken und verlangen, dass man sich informiert, aber gleichzeitig legt sie dabei eine vulgäre Wortwahl an den Tag, die mich wenig begeisterte. Das machte vieles einfach leider kaputt.
Besonders freute ich mich auf die feministischen Anekdoten, die sich meiner Meinung nach allerdings oft widersprachen. Zudem geht die Comedian recht ernsthaft von Dingen aus, die auf ein feministisches Weltbild einfach nicht zutreffen (beispielsweise, dass Männer schlichtweg nur Analverkehr wollen und ihnen alles andere egal ist – sie beschreibt hier ziemlich drastisch und engstirnig, was Männer wirklich wollen).
Die Themen bleiben daher auf das reduziert, was Amy in ihrem Leben am meisten beschäftigte: ihre Karriere, ihre Familie und ihre Liebschaften. Wer gerne von allem die schlimmsten Storys hören möchte, die einem überhaupt passieren können, ist bei Inside Amy Schumer an der richtigen Stelle. Sie plappert mit Witz und Charme, aber auch mit einer gehörigen Portion Obszönität.

Vielleicht ist ihre Autobiografie tatsächlich auch eher etwas für richtige Fans. Ich hatte gehofft, dadurch einen Zugang zu ihrem Humor und ihrer Art zu finden. Manchmal hat es ganz gut funktioniert und ich muss schon sagen, dass ich Amy Schumer sympathisch finde und ihre hart erkämpfte Karriere bewundere, aber nachdem ich dann auch ihren Film Trainwreck sah, hatte ich erst einmal genug von ihr.
Schlussendlich wollte ich den Titel nicht einmal mehr mit in das neue Jahr 2017 nehmen und sorgte dafür, noch vor dem Silvesterabend das Buch zu beenden. Dort klang so viel Negativität mit und die ganzen furchtbaren Dinge, die Amy passiert sind, wollte ich einfach hinter mir lassen. Zu Amy Schumer kann man nur aufsehen, wie stark sie nach all den Miseren geblieben ist. Das hätten viele bestimmt nicht geschafft.


Die Autobiografie von Amy Schumer fasst drei Oberthemen aus ihrem Leben zusammen, die Familie, die Arbeit und die Liebe. Zu jedem hat sie die schlimmste Geschichte parat, die ihr passiert ist. Ich konnte manchmal nicht die Grenzen zwischen dem sehen, was witzig und was einfach nur fürchterlich war. Leider hat mich ihr Humor nicht gänzlich überzeugen können und sogar die feministischen Anekdoten widersprachen sich oft selbst, was ich sehr schade fand. Das Buch ist eher etwas für Fans, anstatt für Schumer-Neueinsteiger. Wer glaubt, dass das eigene Leben nur Negatives parat hält, sollte aber unbedingt einen Blick in Inside Amy Schumer wagen. Ich vergebe für den Titel drei von fünf Lesebrillen.

Titel: Inside Amy Schumer
Autorin: Amy Schumer
Übersetzung: Wibke Kuhn
ISBN: 978-3-492-06059-2
Verlag: Piper
Preis: 15,00€
Sonstiges:  336 Seiten, Klappenbroschur

Die genannten Details sind der Website von Piper entnommen.

Vielen Dank an Piper für das Leseexemplar!



Kommentare:

  1. Hallo Lea,

    toll geschrieben. Vielen Dank für diese Buchvorstellung!

    Amy Schumer kenne ich vor allem als Gast verschiedener amerikanischer Talk Shows. Sie ist mir da durch ihren recht speziellen Humor aufgefallen. Und das einzige was bei mir immer so hängen geblieben ist (auch durch die Presse), sind ihre Geschichten über Sex und ihr Gewicht. Es ist daher interessant zu lesen, dass sie nun mit diesem Buch auch andere Themen anspricht bzw. auf schwierigere Themen versucht aufmerksam zu machen. Ein vulgärer Ton passt da aber wirklich nicht so gut, das hätte mich bestimmt auch genervt. Aber ich denke, dass diese "Portion Obszönität" wahrscheinlich zu ihrem Markenzeichen geworden ist...

    Liebe Grüße
    Elena

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    1. Hey Elena,

      vielen Dank! Ich glaube, damit sind wir so ziemlich auf einem Nenner ;)

      Liebe Grüße
      Lea

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