Rezension: Die große Odaliske


Geballte Frauenpower gibt es heute bei meiner Comic-Vorstellung von Die große Odaliske aus dem Hause Reprodukt. Der Comic von Bastien Vivès, Florent Ruppert und Jerôme Mulot handelt von drei Frauen, die in den Louvre einbrechen wollen, um ein Kunstwerk zu stehlen. Ob sie es schaffen werden, müsst ihr selbst herausfinden, doch von mir erfahrt ihr zumindest schon einmal, wie mir der Comic gefallen hat!


Alex und Carole sind professionelle Kriminelle. Ihr nächstes Ziel ist das Gemälde Die große Odaliske von Jean Auguste Dominique Ingres. Doch dazu müssen die Frauen in den Louvre einbrechen, was nicht ganz einfach zu bewerkstelligen ist. Sie holen sich Sam zur Hilfe, die sich als Motorradakrobatin einen großen Namen gemacht hat. Gemeinsam scheuen sie nicht vor illegalem Waffenhandel, Drogenmissbrauch und einem Kunstraub zurück, der es in sich hat. Doch ein so großes Projekt fordert auch seine Opfer und zieht Konsequenzen mit sich, mit denen sogar Alex, Carole und Sam nicht gerechnet haben.

Durch die Verlagsvorschau von Reprodukt bin ich auf Olympia gestoßen, den zweiten Band der Comic-Reihe, der im Juni 2017 erscheint. Der Verlag machte mich daraufhin auf den ersten Titel, Die große Odaliske, aufmerksam, den ich direkt verschlang!

Besonders positiv fielen mir die zahlreichen starken Frauenfiguren auf. Dieser Comic transportiert förmlich Frauenpower! Alex und Carole kennen sich schon seit gefühlten Ewigkeiten. Sie sind ein so eingespieltes Team, dass sie auf ihren Raubzügen sogar über triviale Themen und Beziehungen plaudern können, während sie verfolgt und von Polizeihunden angegriffen werden. Zu ihnen stößt schließlich Sam, die mit ihren rasanten Motorradtricks für Momente sorgt, in denen einem die Luft wegbleibt. Durch die dritte im Bunde wird die Beziehung zwischen Alex und Carole anfänglich auf eine Zerreißprobe gestellt und es ist spannend zu sehen, wie sich das Frauentrio zusammenfügt.
Ungewohnt war die doch etwas harsche Wortwahl. Die Kriminellen nehmen kein Blatt vor den Mund, weswegen es oft recht vulgär wird. Wer zart besaitet ist, hat vielleicht so seine Schwierigkeiten mit dem Umgangston der Figuren. Ich persönlich habe es als sehr passend empfunden, wie die Figuren miteinander sprechen – der Jargon trifft das Gangster-Leben der Charaktere und versetzt den Leser dadurch mitten in die Geschichte.
Ebenso krass sind auch einige Szenen, die recht brutal zugehen oder von einer unverblümten sexuellen Heftigkeit erzählen. Dadurch wirkt manches aber auch skurril, was für einige gewisse humoristische Ansätze sorgen kann.

Der Comic spielt nicht nur in Frankreich, auch Mexiko wird bereist und sogar auf den Kanaren gönnen sich Alex und Carole eine Auszeit von ihrem Treiben. Die große Odaliske trifft den Flair der Länder ausgezeichnet. Flanierten die Frauen durch Paris, wünschte ich mich selbst dorthin. Lagen sie am Sandstrand, konnte ich die Sonne in meinem Nacken fühlen – und auch in Mexiko spürte man das Urlaubsfeeling. Die Panels greifen hervorragend den Vibe der Länder auf und versetzen den Leser damit in Urlaubsstimmung.

Der Zeichenstil war für mich recht ungewohnt und neu. Die Linien sind sehr fein. Gerade bei den Figuren wird an detaillierten Strichen gespart, stattdessen wirken die Gesichter minimalistisch. Ich fand es ein wenig schade, dass gerade die Gesichter teilweise sehr simplifiziert wurden. Dafür werden die Hintergründe anspruchsvoll ausgearbeitet, sodass das Auge beim Lesen automatisch bei jedem Panel die Feinheiten entdecken möchte. Die Flächen in den Hintergründen sind sehr groß, sodass viel Platz für Details entsteht. Insbesondere die Illustrationen vom Louvre haben mich begeistert und dafür gesorgt, dass ich die Bilder lange betrachtet habe.
Farblich wurde mit eher gedeckten Farben gearbeitet, sodass gerade die Party-Szenen der Frauen herausstechen. Manchmal laufen die Farben ineinander über und gerade in den Hintergründen wirken sie daher aquarelliert.

Durch die gezielte Strichlinienführung entsteht eine Dynamik, die für den Comic besonders relevant ist. Die Geschichte braucht anfänglich ein wenig Anlaufzeit und man muss erst mit den Figuren richtig warm werden, bevor die Erzählung an Fahrt aufnimmt. Dadurch hat es ein wenig gedauert, bis ich wirklich in der Story versinken konnte. Je mehr der Comic sich dem Ende neigt, desto mehr steigt allerdings auch die Spannung. Die Actionszenen treten ganz bewusst in den Vordergrund und sorgen dafür, dass man die wilden Verfolgungsjagden gar nicht vergessen kann. Ich war wirklich beeindruckt, wie unbewegte Bilder es schaffen, eine Jagd so lebendig und nervenzerreißend zu gestalten!
Klappt man den Comic nach der letzten Seite zu, will man direkt den nächsten Band in die Hände nehmen – ich habe einen großen Hunger nach Teil zwei verspürt und freue mich daher umso mehr auf die Fortsetzung im Juni 2017!


Die große Odaliske ist ein Comic, der vermehrt an Fahrt gewinnt. Hat man sich auf die Figuren und die Geschichte erst einmal eingelassen, wird man von den actionreichen Szenen überrascht und erfreut sich an den dynamischen Panels. Der Comic transportiert nicht nur geballte Frauenpower, sondern bietet er auch einen Einblick in das Leben der Kriminellen. Mit dem gewählten Ton versetzt man sich direkt in das Gangster-Leben und träumt sich durch die abwechslungsreichen Kulissen an die unterschiedlichsten Orte. Der Krimi-Comic um Sam, Alex und Carole ist spannend, skurril und sorgt dafür, dass man Band 2 kaum erwarten kann. Ich vergebe vier von fünf Lesebrillen für den Titel von Bastien Vivès, Florent Ruppert und Jerôme Mulot.


Titel: Die große Odaliske
Autoren: Bastien Vivès, Florent Ruppert und Jerôme Mulot
Übersetzung: Mireille Onon
Handlettering: Céline Merrien
Farben: Isabelle Merlet
ISBN: 978-3-943143-43-0
Verlag: Reprodukt
Preis: 20,00€
Sonstiges:  128 Seiten, farbig, Klappenbroschur



Die genannten Details sind der Website von Reprodukt entnommen.

Vielen Dank an Reprodukt für das Leseexemplar!



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