Rezension: Ratten-Burger


Heute habe ich auf meinem Blog wieder ein Buch von David Walliams für euch! In Ratten-Burger geht es dieses Mal um die junge Zoe, die ganz plötzlich zu einer Ratte als Haustier kommt und damit eine Maschinerie aus Problemen in Gang setzt. Wie mir der Kinderroman aus dem Rowohlt Verlag gefallen hat, erfahrt ihr in meiner Rezension!


Zoe ist nicht nur ein liebenswürdiges kleines Mädchen, sie hat auch ein sehr großes Herz – und das verliert sie ausgerechnet an die süße Baby-Ratte Archibald! Ihr großer Traum ist es, eine Show zu produzieren, in denen die Tiere der Star sind, weshalb sie Archibald herrliche Tanztricks beibringt. Wäre da nicht ihre grässliche Stiefmutter Sheila, die Zoe und ihren Vater nicht nur richtig gemein behandelt, sondern auch noch Ratten hasst! Aber nicht nur Sheila hat es auf Archibald abgesehen, auch der miefige Bert, der die Schüler in den Pausen mit ekeligem Essen aus seiner Burgerbude verpflegt, will die Ratte schnappen. Nur das Nachbarsmädchen Tina, das ausgerechnet auch noch in Zoes Schule geht, scheint sich augenscheinlich nicht über die Ratte zu beklagen. Dafür spuckt sie jeden Morgen der armen Zoe auf den Kopf und macht ihr in den Pausen das Leben schwer. Ob Zoe all die Probleme alleine in den Griff kriegen und Archibald beschützen kann?

Ich habe mich wirklich sehr gefreut mal wieder ein Buch von David Walliams lesen zu können! Auch sein aktuelles Kinderbuch Ratten-Burger ist ähnlich aufgemacht, wie seine Vorgänger, wobei es sich aber auch hier um einen Einzeltitel handelt. Tony Ross hat wieder die Illustrationen beigesteuert, sodass der Roman nicht nur Kinderbuchcharakter erhält, sondern der Text zwischendurch auch von den Zeichnungen zur Untermalung der Handlung unterbrochen wird. Ich hatte allerdings das Gefühl, dass in Ratten-Burger etwas sparsamer mit den Illustrationen umgegangen wurde. Nichtsdestotrotz habe ich den Titel regelrecht an einem Stück verschlungen!

Die Geschichte lebt eindeutig von ihren Figuren. Dabei sind fast alle Charaktere fürchterlich unsympathisch! Vor allem natürlich Zoes Stiefmutter Sheila. In der deutschen Übersetzung hat sie einen lustigen Dialekt angedichtet bekommen, sodass Sheila noch etwas abstruser wirkt, als sowieso schon: Sie ist faul, sitzt der Familie nur auf den Taschen und nimmt Zoes Vater regelrecht aus. Daher rührt sie im Haushalt auch keinen Finger und beschwert sich eigentlich die ganze Zeit nur über die schwierige Situation von Zoes Vater.
Der hat nämlich keinen Job mehr, seitdem die Eiscremefabrik zugemacht hat, in der er tolle Eissorten kreierte. Der Vater ist durch und durch eine gescheiterte Existenz: er trauert über seine Jobsituation, ist lieber mit der schrecklichen Sheila zusammen, als allein zu sein und gibt das wenige Geld, das die Familie hat, in der Kneipe aus. Daher hat er auch nie Zeit, um etwas mit Zoe zu unternehmen, weil er lieber Bier trinken geht. Kein Wunder, dass Zoe so traurig ist!
Und auch Zoes Nachbarin und Mitschülerin Tina ist einfach nur gemein. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, Zoe jeden Morgen auf den Kopf zu spucken und sie auch in der Schule zu hänseln. Das führt unweigerlich dazu, dass der Leser eigentlich die ganze Zeit nur Mitleid mit Zoe empfinden kann. Man wünscht ihr nichts sehnlicher, als eine liebevollere Familie und einen besseren Umgang in der Schule! Und sogar dort sind die Leute alle doch recht seltsam: ihre Lehrer sind alle absolut gruselig! Der Schuldirektor wird deshalb oft für einen Vampir gehalten. Ihre Lehrerin ist zwar klein, dafür aber sehr fies und kaltherzig. Mit Zoe möchte man wirklich nicht tauschen!
Mich hat es aber auch sehr gefreut, dass wir einer altbekannten Figur wiederbegegnen, nämlich dem Kioskbesitzer Raj aus Gangsta-Oma. Sein Auftauchen hat mich direkt in Erinnerung schwelgen lassen und ich habe mich gefreut, dass zumindest diese beiden Bücher offensichtlich im gleichen Universum spielen!

Typisch für David Walliams durchbricht auch hier der Erzähler die vierte Wand und spricht direkt zum Leser. Das zeigt nicht nur den Humor des Autors, gleichzeitig wird auch noch eine Nähe zum Lesenden etabliert. Mir haben diese Stellen im Buch immer besonders gut gefallen, weil ich sie als sehr amüsant empfunden habe!

Die Themen des Buches sind vielfältig: Zoe verliert zu Beginn ihren Hamster. Trauerbewältigung bei Kindern ist ein schwieriges, aber relevantes Thema, das David Walliams hervorragend anpackt: mit einer Spur Humor und doch mit dem Ernst und den Gefühlen, die das Kind in der Situation nun einmal hat. Aber auch Probleme im Alltag eines Kindes kommen nicht zu kurz: Durch Tina und Sheila erfährt Zoe Mobbing in der Schule und sogar im eigenen Haus. Der Vater hat keinen Job, weshalb die Familie in ärmlichen Verhältnissen lebt, was wiederum dazu führt, dass Zoe sich für ihre abgetragene Kleidung schämt. Mit ihrem Hamster wird ihr das Einzige genommen, was ihr noch etwas bedeutet hat – zum Glück trifft sie schnell auf die Ratte Archibald, die das Loch in ihrem Herzen ein wenig schließen kann.

Obwohl es sich bei dem Titel um ein Kinderbuch handelt, habe ich auch dieses Mal wieder oft gelacht. Die Witze sind natürlich hauptsächlich eher für ein jüngeres Publikum geschrieben, doch in Ratten-Burger ist der Humor auch für Ältere zugänglich, was mich wirklich sehr gefreut hat!
David Walliams schafft es wie kein Zweiter, Emotionen zu transportieren: viele Szenen sind fürchterlich ekelig, sodass einem die Nackenhaare zu Berge stehen! Ich habe Ratten-Burger darüber hinaus auch als ein wenig brutal empfunden, was nicht nur an der Tierjagd, sondern auch an dem zwischenmenschlichen Umgang miteinander lag. Da war ich teilweise schon ein wenig erstaunt, wie weit der Autor sich zu gehen traut. Dafür ist das Ende aber wieder herrlich schön und lässt einen das Buch zufrieden schließen! Das liebe ich an David Walliams Büchern sehr – man hat kurz nach dem Auslesen immer ein gutes Gefühl!


Ratten-Burger reiht sich in die Erfolgsbücher von David Walliams ein. Der Titel ist so lustig, dass nicht nur die Kinder lachen werden, dafür hat er aber auch einige brutale Szenen, die die Stimmung aufwiegen. Das Buch lebt aber schließlich von den Figuren, die teilweise so unsympathisch sind, dass man beim Lesen nur noch Mitleid für die arme Zoe entwickeln kann. Sie wächst einem sehr ans Herz und man wünscht sich von Beginn an einen guten Ausgang für ihre Geschichte. Ich würde von Ratten-Burger sehr gut unterhalten und habe mich gefreut, dass auch wieder Illustrationen von Tony Ross mit von der Partie sind. Deshalb vergebe ich Ratten-Burger von David Walliams vier von fünf möglichen Lesebrillen und freue mich schon auf seinen nächsten Titel Kicker im Kleid, der am 10. März erscheint.


Titel: Ratten-Burger
Autor: David Walliams
Übersetzung: Salah Naoura
ISBN: 978-3499217425
Verlag: Rowohlt
Preis: 14,99€
Sonstiges:  304 Seiten, Hardcover



Die genannten Details sind der Website vom Rowohlt Verlag entnommen.

Vielen Dank an Rowohlt für das Leseexemplar!



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