Rezension: Schattenspringer Band 1 und 2


Heute möchte ich euch eine Comic-Serie aus dem Hause Panini vorstellen, die mich wirklich restlos begeistert hat. Schattenspringer von Daniela Schreiter erzählt autobiografisch von Danielas Kindheit und Jugend. Bei ihr wurde das Asperger-Syndrom diagnostiziert und es gab dadurch für sie endlich eine Erklärung, warum sie sich so anders fühlte. In meiner Rezension der Schattenspringer-Reihe erfahrt ihr, weshalb die Titel für mich etwas ganz Besonders sind!


Schon als junges Mädchen bemerkte Daniela Schreiter, dass sie sich von anderen Kindern in ihrem Alter unterscheidet: sie reagiert anders auf Reize und ihre Umgebung und stößt dadurch auf viele Missverständnisse. Durch die Diagnose des Asperger-Syndroms bekam sie endlich Klarheit, warum sie sich manchmal so fühlt, als sei sie von einem anderen Planeten. In ihrem ersten Band Schattenspringer – Wie es ist, anders zu sein beschreibt sie ihre Kindheit und Jugend und räumt mit Vorurteilen über Autismus auf. Der Folgeband Schattenspringer² - Per Anhalter durch die Pubertät befasst sich dagegen vor allem mit ihrer pubertierenden Phase und mit ihrer Diagnose.

In der sechsten Folge der YouTube-Serie Panini Comics TV, die ich regelmäßig verfolge, wurde ich auf die Schattenspringer-Dilogie aufmerksam. Steffen Volkmer und Hella von Sinnen sprechen über die Comic-Reihe von Daniela Schreiter und zogen mich dadurch direkt in ihren Bann. Das ganze Video könnt ihr hier nachverfolgen.

Über Autismus hat man vielleicht schon viel gehört, aber wenn man nicht gerade davon betroffen ist, fällt es vielen schwer, sich ein Bild davon zu machen. Daniela Schreiter ist selbst Asperger-Autistin und erzählt in ihren Comics autobiografisch ihre Geschichte. Ich war erstaunt und überrascht, wie unglaublich informativ die beiden Comics sind und war beeindruckt davon, dass die Autorin und Illustratorin ganz unverblümt über ihre Diagnose plaudert. Auf diese Weise bekam ich einen besseren Überblick über Autismus. Der Comic räumt direkt mit Fehlinformationen oder Vorurteilen auf und soll Berührungsängste eindämmen.
Ich bin in meinem Leben noch nicht vielen Autisten begegnet – zumindest kann ich es nicht genau sagen, denn manche Menschen wissen vielleicht gar nichts von ihrer Diagnose oder erzählen einfach nicht gerne davon. Demnach wollte ich mich mehr darüber informieren und Schattenspringer war dafür einfach perfekt! Ich erhielt nicht nur einen Einblick über das Leben einer Asperger-Autistin, ich wurde regelrecht in ihre Welt gezogen und lernte, sie besser zu verstehen. Dabei ist zudem wichtig zu erwähnen, dass es natürlich nicht den einen Autisten gibt, sondern die Diagnose ganz unterschiedlich ausfallen kann. Danielas Geschichte ist hierbei eine von vielen, die die Leser exemplarisch an die Thematik heranführt. Ich erhielt einen völlig neuen Zugang, wofür ich Schattenspringer sehr dankbar bin.

Den Comic als Lehrmedium zu betrachten, war für mich nichts Neues, da ich in meinem Studium bereits mit Comics gearbeitet habe. Allerdings war es für mich ganz neu, wie Daniela Schreiter spielerisch mit der Diagnose umgeht: sie verarbeitet ihre Geschichte in Bildern, um nicht nur mehr, sondern auch kreativ über sich zu erzählen. Sie schöpft voll und ganz aus dem Medium und bietet uns damit zwei wundervolle Comics!
Spielerisch ist genau das richtige Wort, denn die Comics sind nicht nur informativ und lehrreich, sondern auch witzig! Daniela Schreiter führt humoristisch an das Thema heran und schafft es, ihre Leser damit zum Lachen zu bringen. Ich erwischte mich beim Lesen der Comics oft schmunzelnd und manchmal sogar laut lachend. Mir gefiel es sehr, dass die Schattenspringer eine perfekte Mischung aus Bildung und Humor mit sich bringen!

Die Comics unterscheiden sich durch die verschiedenen aufgezeigten Lebensstadien von Daniela Schreiter. Der erste Band bespricht vor allem ihre Kindheit: Daniela wird 1982 in West-Berlin geboren, fühlt sich allerdings eher so, als käme sie von einem anderen Stern. Ihrem Umfeld fällt es schwer zu verstehen, warum die Motorik für sie problematisch ist, sie Reize anders wahrnimmt und lieber mit ihren Tieren, als mit gleichaltrigen Kindern spielt. Daniela zeigt uns, wie sie empfindet und gibt Nicht-Autisten dadurch ein besseres Verständnis von der Diagnose.
Der zweite Band geht noch tiefer auf diese Thematik ein und verweist vor allem auf die Jugend und die Pubertät von Daniela. Ganz besonders wird die Sexualität hervorgehoben: sie berichtet, wie es war, als sie zum ersten Mal ihre Regel bekam und spricht von ihren Beziehungen. Wenn man als Nicht-Autist glaubt, dass man es schon schwer hat, darf man sich von Daniela Schreiter überraschen lassen.
Die Bände lassen sich prinzipiell auch als Einzelbände lesen, ich empfehle allerdings, dass man vor Band 2 auch den ersten Band liest. Nicht nur, weil die Comics einfach beide großartig sind, sondern auch, weil im ersten Teil viele Begriffe definiert werden, die in Band 2 auftauchen und nicht nochmal erklärt werden. Die Comics gehören für mich einfach zusammen!

Die Aufmachung der Bände sind ähnlich: es gibt einen kurzen Text über die Autorin und ein Vorwort sowie eine Einleitung, die vorab an die Thematik heranführen. Die Comics sind schließlich in Kapitel aufgeteilt: jedes Kapitel zeigt einen anderen Lebensabschnitt von Daniela Schreiter. So passen die Bände nicht nur hervorragend zusammen, man fühlt sich als Leser auch gut aufgehoben und gut auf das Thema vorbereitet. Die Kapitelgliederungen sind übersichtlich und organisiert, sodass kein Wirrwarr entsteht und man geschmeidig von einer Geschichte in die nächste gleiten kann.

Was mich persönlich sehr erfreute, waren die vielen popkulturellen Referenzen: als Doctor Who Fan erkannte ich die Anspielung wieder und freute mich auch über die Parallelen zu Douglas Adams‘ Per Anhalter durch die Galaxis. Als Fangirl kam ich bei dieser Comic-Reihe voll auf meine Kosten!

Der Zeichenstil ist recht simpel gehalten: Die Figuren wirken durch den Minimalismus niedlich und sind richtig schön comichaft. Der Fokus liegt auch ganz klar auf den Figuren, insbesondere natürlich auf Daniela. Hintergründe sind dagegen oft einfarbig und nicht bis ins letzte Detail ausgearbeitet, sodass sich das Auge beim Lesen auf das Wesentliche beschränken kann.
Anfänglich sind die ersten Seiten in beiden Comics koloriert, ab Seite 16 geht es dann in Schwarzweiß weiter. Ich fand es etwas schade, dass auf Farbe im Hauptteil verzichtet wurde, denn die Koloration unterstütze meiner Meinung nach die Bilder nochmal ein Stück mehr. Nichtsdestotrotz kommt man über das Fehlen der bunten Panels schnell weg, denn man ist so sehr in die Thematik vertieft, dass die Änderung nach wenigen Seiten schon nicht mehr auffällt.


Schattenspringer gehört für mich zu den größten Comic-Überraschungen, die ich im vergangenen Jahr lesen durfte. Ich bin begeistert, wie es Daniela Schreiter schafft, an die Thematik der Asperger-Diagnose heranzuführen und den Leser mit ihren spannenden, manchmal auch traurigen oder witzigen Geschichten fesselt. Die Comics sensibilisieren und helfen, Berührungsängste zu vergessen. Mit popkulturellen Anspielungen kann man sich auch als Nicht-Autist gut mit den Figuren identifizieren. Ich hoffe, Daniela Schreiter kann uns auch in Zukunft mit ihren fabelhaften Comics verzaubern und deshalb vergebe ich für beide Schattenspringer-Comics die volle Anzahl an Lesebrillen!



Titel: Schattenspringer - Wie es ist, anders zu sein
Autorin: Daniela Schreiter
ISBN: 978-3862019502
Verlag: Panini
Preis: 19,99€
Sonstiges:  160 Seiten, Hardcover

Titel: Schattenspringer² - Per Anhalter durch die Pubertät
Autorin: Daniela Schreiter
ISBN: 978-3957983084
Verlag: Panini
Preis: je 19,99€
Sonstiges:  160 Seiten, Hardcover



Die genannten Details sind der Website von Panini entnommen.

Vielen Dank an Panini für das Leseexemplar!



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen