Rezension: Die Frau im Mond - Erinnerung an die Liebe


Seit dem 2. März ist Die Frau im Mond – Erinnerung an die Liebe bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen. Der Film basiert auf dem gleichnamigen internationalen Bestseller von Milena Agus und handelt von der jungen Frau Gabrielle, die sich frei entfalten will. Wie mir die Buchverfilmung, die in den vierziger Jahren in Frankreich spielt, gefallen hat, könnt ihr heute in meiner Rezension erfahren.


Die Geschichte spielt Anfang der vierziger Jahre in Frankreich. Die Bauerntochter Gabrielle (gespielt von Marion Coillard) wird in ihrem Dorf nicht ernst genommen, weil sie von der vollkommenen Liebe schwärmt. Stattdessen soll sie mit dem Saisonarbeiter José (gespielt von Alex Brendemühl) verheiratet werden, um endlich vernünftig zu werden. Doch die Träumerin fühlt sich in dieser Bindung gefangen und eingeengt. Ihre sich nicht erfüllenden Wünsche und nicht erwiderten Gefühle treffen sie so schlimm, dass Gabrielle wegen ihrer Gesundheit in ein Sanatorium in die Alpen geschickt wird. Dort lernt sie Leutnant André Sauvage (gespielt von Louis Garrel) kennen, der ihre tiefsten Bedürfnisse nach der wahren Liebe weckt.

Der Film beginnt mit einem recht ungewöhnlich langen Vorspann, der dafür sorgte, dass ich mich ein wenig wie beim Tennis fühlte: die Namen der Beteiligten waren mal in der Ecke links, mal rechts zu sehen, sodass der Blick von der einen Seite der Leinwand auf die andere schweife, immer hin und her. Im Hintergrund schwarze Leere, bis die ersten Bilder gezeigt wurden.
Der Auftakt war meiner Meinung nach etwas holprig. Man erfährt mehr über die Protagonistin Gabrielle, die ihrer Sexualität und ihren Gefühlen gerne mehr Raum geben würde, doch von den Leuten im Dorf nur als verrückt bezeichnet wird. Auch ihre Familie scheint keine innige Beziehung zu ihr zu haben, lediglich ihre Schwester steht an ihrer Seite. Leider war es das auch schon fast an Informationen, die ich über Gabrielle in Erfahrung bringen konnte. Die Charaktere im Film sind zwar interessant, werden allerdings nicht sonderlich detailliert ausgebaut, sodass ich keine Verbindung zu ihnen aufbauen konnte. Vielleicht liegt es auch daran, dass keine Figur ein großartiger Sympathieträger ist – jede hat ihre negativen Seiten, die dafür recht ausführlich präsentiert werden.

Der Film zeigt 17 Jahre von Gabrielles Leben und nimmt den Zuschauer damit auf eine lange Reise. Beeindruckend sind vor allem die Landschaften, die gezeigt werden. Eigentlich spielt die Geschichte im Buch in Italien, doch der Handlungsort wurde für den Film nach Frankreich verlegt. Die Landschaftsbilder in Gabrielles Heimat und auch rund um das Sanatorium haben mir sehr gut gefallen – man hatte direkt Lust, einen Ausflug zu unternehmen.

In der Hauptrolle ist Marion Cotillard zu sehen. Sie spielt einen Charakter, der es einem nicht immer leicht macht, dessen Handlungen vollständig zu begreifen, was besonders für mich an der Impulsivität und der Manie Gabrielles liegt. Gabrielle greift nach ihren Träumen, egal wie unrealistisch sie sein mögen, was durchaus sehr bewundernswert ist. Sie vergisst dabei aber auch, dass sich andere in ihrem Umfeld für sie einsetzen, weshalb es mir schwer fiel, mich in die Figur hineinversetzen zu können. Marion Cotillard kann die Verzweiflung und die Verträumtheit des Charakters gut darbringen, allerdings hätte ich mir gewünscht, dass man in ihrer Mimik ein wenig mehr hätte lesen können.

Was mich manchmal störte, war das Setting: ich hatte oft das Gefühl, dass der Film gar nicht in den Vierzigern spielt, sondern durchaus auch zu einem anderen Zeitpunkt hätte spielen können. An einigen Stellen wirkte der Film nicht konsequent, was ich schade fand. Dabei waren die Kostüme und die Maske eigentlich immer gut getroffen.

Verwundert war ich auch über die FSK-Einordnung. Der Film ist ab sechs Jahren freigegeben, doch kann ich mir kaum vorstellen, dass jemand in diesem Alter die Tragweite der Figuren auch nur annähernd begreifen kann. Darüber hinaus sind einige explizite Sex-Szenen zu sehen, was mich für einen Film, der ab sechs Jahren freigegeben ist, doch stark wunderte.

Mit einer Laufzeit von fast zwei Stunden wirkte der Film, als ich im Kino saß, recht langwierig, was vielleicht auch an den vielen Szenen lag, in denen eigentlich nichts passiert und einfach nur die Mimik der Figur oder die Landschaft eingefangen wurden.


Im Nachhinein ist der Film für meinen Geschmack eher schwierig gewesen. Je mehr ich über den Film nachdachte, desto mehr Dinge sind mir aufgefallen, die nicht ganz passten: Die Frau im Mond – Erinnerung an die Liebe hat den Anspruch eines Kunstfilms, wird ihm aber nicht vollständig gerecht. Die Bilder sind zwar sehr schön, doch ich konnte mich einfach nicht mit den Figuren anfreunden und hatte Probleme, Gabrielle genauer verstehen zu können, was ich sehr schade fand. Dass ich auch das Gefühl hatte, dass die Zeit, in der der Film spielt, nicht immer transportiert werden konnte, war ebenfalls ein Kriterium für mich, warum ich keine Verbindung aufbauen konnte. Ich vergebe daher für Die Frau im Mond – Erinnerung an die Liebe zwei von fünf Lesebrillen.


Titel: Die Frau im Mond - Erinnerung an die Liebe
Regie: Nicole Garcia
Story: Milena Agus
FSK: Ab 6 Jahren
Sonstiges: 116 Minuten Laufzeit



Die genannten Details sind dem Presseserver von Studiocanal entnommen.

Vielen Dank an Entertainment Kombinat für die Freikarte!

Zur Website von Die Frau im Mond!


Originaltitel: Mal de Pierres / Genre: Drama, Romance / FSK: Freigegeben ab 6 Jahren / Kinostart: 02.03.2017
Regie: Nicole Garcia / Drehbuch: Nicole Garcia, Jacques Fieschi / Kamera: Christophe Beaucarne / Produktion: Alain Attal

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen