Rezension: Der Kaugummigraf


Wie ihr wisst, darf es bei mir auch gerne mal ein Kinderbuch sein! Als ich von Der Kaugummigraf von Kirsten Reinhardt hörte, konnte ich dem Charme des Titels einfach nicht widerstehen. Wenn ihr wissen wollt, wie mir das zuckersüße Buch aus dem Carlsen Verlag gefallen hat, solltet ihr meine Rezension nicht verpassen!


Der Graf führt ein recht stringentes Leben: er steht jeden Morgen um die gleiche Uhrzeit auf, macht ein paar Streckübungen, nimmt stets die gleichen Mahlzeiten ein und tut jeden Tag absolut das Gleiche. Plötzlich steht jedoch das junge Mädchen Eli vor seiner Türe und will am liebsten gar nicht mehr gehen – dabei hat sie ganz furchtbar schlechte Manieren, die dem Graf bitter aufstoßen. Aber irgendwie schließt er sie doch ins Herz und zeigt ihr sogar seine Kaugummi-Sammlung. Jeder einzelne Kaugummi hat nämlich eine besondere Geschichte, die aus dem Leben des Grafen erzählt. Eli findet das ganz besonders spannend, bis klar wird, dass sie nicht länger nur den Geschichten lauschen kann. Der Bahnhof, in dem der Graf lebt, ist nämlich in Gefahr und sie müssen zusammenhalten, wenn sie das Gelände retten wollen!

Ich habe von dem Titel das erste Mal während der Verlagsvorschau des Carlsen Verlags auf der Buchmesse gehört. Das Kinderbuch klang so niedlich und süß, dass ich mich schon sehr darauf freute, den Roman zu lesen!

Der Kaugummigraf wird aus einer recht ungewöhnlichen Perspektive erzählt, nämlich der des kauzigen Grafen. Er ist sehr alt, deshalb auch manchmal ein wenig vergesslich und mittlerweile auch nicht mehr so sensationell in Form, doch man schließt ihn sofort ins Herz! Interessant ist, dass es sich hierbei um einen unzuverlässigen Erzähler handelt. Der Ton der Geschichte ist sehr gut getroffen, denn man kauft ihr direkt ab, dass sie von einem alten Mann erzählt wird. Ich konnte mir gleich vorstellen, wie der Graf durch seinen Bahnhof marschiert!
Dadurch, dass der Graf allerdings auch recht einsam lebt, hatte ich oft ein wenig Mitleid mit ihm. Er ist nun einmal nicht mehr der fitteste und leistet sich nicht gerade Wohlstand. Dafür wirkt alles um ihn herum umso lebendiger, vor allem der Bahnhof, in dem er lebt. Das stillgelegte Gelände kam mir richtig lebhaft vor und ich sah vor Augen, wie dort früher die Züge gefahren sind.
Eli steht in einem starken Kontrast zum alten Grafen. Sie ist sehr temperamentvoll und dynamisch, hat dafür allerdings keine Manieren, was den Grafen anfänglich sehr ärgert. Wenn sich die beiden das erste Mal begegnen, prallen Welten aufeinander. Es ist herrlich skurril und wunderbar schräg anzusehen, wie Eli und der Graf miteinander umgehen und reden.
Mein persönlicher Favorit in der Figurenwelt von Kirsten Reinhardt war der Hund Schmitt. Das liegt nicht nur daran, dass es sich dabei um ein ganz besonderes Exemplar handelt, sondern auch um die kuriose Herkunftsgeschichte von Schmitt. Er bringt nicht nur viele lustige Szenen mit in den Roman, sondern auch einige Geheimnisse.

Und genau die machen das Kinderbuch auch zu einer eher komplexeren Erzählung. Nach und nach werden Dinge aufgedeckt, die man gar nicht in Betracht gezogen hat. Der Kaugummigraf überrascht mit Wendungen, die ich mir nicht hatte vorstellen können. Dadurch wird der Titel auch für ein älteres Publikum nicht langweilig!

Mich interessierten insbesondere die Rückblicke des Grafen, in denen er aus seiner Kindheit oder Jugend erzählt. Allerdings fand ich, dass sich der Titel durchaus in die Länge zieht. Einige Passagen hätten meiner Meinung nach ruhig kürzer ausfallen können, gerade für ein Kinderbuch. Manche Szenen verloren dadurch beim Lesen für mich an Dynamik und so dauerte es doch recht lange, bis ich den Titel ausgelesen hatte – was ich ebenfalls nicht kommen sah.

Fragwürdig war für meinen Geschmack der Umgang mit Betrug und Moral. Es gibt ein paar Szenen, in denen Betrug nicht – für mich persönlich – ausreichend infrage gestellt wird und ich hatte den Eindruck, es könnte dadurch ein falsches Bild vermittelt werden. Erst im Laufe der Geschichte wurde an Moral und Gerechtigkeit ein wenig mehr appelliert – aber manchmal eben auch einfach nicht und ich bin mir nicht sicher, ob das für ein Kinderbuch so gut passt.

Gelobt werden sollten auf jeden Fall auch die Vignetten von Marie Geißler. Jedes Kapitel beginnt mit einer schönen Illustration, die das zeigt, was im Folgekapitel thematisiert wird. Mal sind die Portraits der Ahnen des Grafen zu sehen, mal der Hund Schmitt, mal der Graf selbst – die Vielfältigkeit und Kreativität der Vignetten hat mich sehr überrascht und trägt dazu bei, dass der Titel lebendig wirkt.


Schlussendlich gefiel mir der Titel, ich war aber nicht ganz vom Fortlauf der Geschichte überzeugt. Vielleicht bin ich beim Lesen zu oft einfach abgedriftet, möglicherweise wollte sich die Story aber auch einfach nicht in meinem Kopf festsetzen. Das sorgte dafür, dass mir manche Passagen als sehr langatmig vorkamen und ich nicht so richtig einen Zugang fand. Dennoch haben mich die kleinen Erzählungen des Grafen immer sehr berührt. Im Endeffekt geht es aber dann doch eher um die Rettung des Bahnhofs, als um die Geschichten des Kaugummigrafen – sie waren für mich persönlich leider etwas zu beiläufig für die Gesamtsituation. Die Figuren sind herrlich schräg und sehr lebendig, die Vignetten haben mir imponiert und die zahlreichen Wendungen machen das Kinderbuch zu einem komplexeren Roman. Ich vergebe daher drei von fünf Lesebrillen für Der Kaugummigraf von Kirsten Reinhardt.


Titel: Der Kaugummigraf
Autorin: Kirsten Reinhardt
Illustrationen: Marie Geißler
ISBN: 978-3-551-55654-7
Verlag: Carlsen
Preis: 12,99€
Sonstiges: 224 Seiten, Hardcover



Die genannten Details sind der Website vom Carlsen Verlag entnommen.

Vielen Dank an den Carlsen Verlag für das Belegexemplar!





Kommentare:

  1. So nachdem ich das Buch nun am Wochenende gelesen habe und gerade meine Rezension online ging, habe ich mir jetzt endlich deine mal durchgelesen. Ich war so gespannt darauf zu sehen, wie dir das Buch gefallen hat :-)

    Bezüglich der Darstellung des Betruges in diesem Buch muss ich dir absolut Recht geben, das hat mich auch etwas gestört. Ansonsten hat mir das Buch richtig gut gefallen - es war im Grunde ein richtig trauriges Buch mit super viel Tiefgang, was ich wirklich nicht erwartet hätte.

    Freut mich, dass dir das Buch fast so gut gefallen hat wie mir :-)

    Hab einen tollen Tag!
    Ivy <3

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebste Ivy,

      hach, wie schön, dass dir der Titel gut gefallen hat! Ich fand ihn einfach zuckersüß - aber meiner Meinung nach hatte er eben auch ein paar Schwächen. Dennoch war ich am Ende nahezu am Boden zerstört, ich sag es dir ;D

      I feel you!

      Ich wünsche dir noch einen schönen Restabend und liebste Grüße
      Lea

      Löschen