Rezension: Tomboy


Heute habe ich einen Comic-Knaller für euch, der nichts für schwache Nerven ist! In Tomboy fällt der Profikiller Franck einer Racheaktion zum Opfer und wacht daraufhin als Frau auf. Natürlich will Franck herausfinden, wem er seinen neuen Körper zu verdanken hat – und begibt sich auf eine Reise, getrieben von Wut und dem Hunger nach Rache. Wie mir der Comic aus dem Splitter Verlag gefallen hat, erfahrt ihr heute in meiner Rezension.


Franck Kitchen hat in seinem Leben zugegebenermaßen nicht immer alles richtig gemacht. Er hat es faustdick hinter den Ohren und scheint auch nichts dagegen zu haben, anderen gegen Geld eine Kugel in den Kopf zu jagen. Als Profikiller ist das sein Alltag. Jedoch läuft bei einem seiner Jobs etwas nicht ganz so glatt wie erhofft und Franck wacht plötzlich in einem Frauenkörper auf. Innerlich hat sich bei ihm allerdings nichts geändert und so ist schnell klar, dass Franck auf Rache aus ist. Wer hat ihm seinen Körper genommen? Und ist es überhaupt möglich, dass er wieder der Alte wird? Er begibt sich auf einen Rachefeldzug und sogleich auf eine Reise, nach seiner wahren Identität.
Ich habe von Tomboy das erste Mal im Programm des Splitter Verlags erfahren und war vor allem sehr interessiert daran, wie die Thematik des Körpertauschs umgesetzt wurde. Welche Dinge ändern sich für Franck, wenn er zur Frau wird? Und wie geht er damit um? Diese Fragen erhoffte ich mir durch den Comic zu beantworten.

Der Comic fängt schon ziemlich schräg an: Franck wacht als Frau auf und erzählt in einer Rückblende von seinem Überfall, der dafür sorgte, dass er zur Frau wurde. Es handelt sich bei dem Titel nämlich nicht um einen Fantasy-Comic oder ähnliches, Franck wird tatsächlich operiert. Durch die Rückblende erhält man einen Einblick in das alltägliche Leben des Profikillers und lernt, wie er so tickt. Recht schnell wird man sich dessen bewusst, dass Franck nicht unbedingt ein angenehmer Zeitgenosse ist, doch fiel es mir grundsätzlich schwer, in dem Comic eine sympathische Figur zu finden. Aber das macht eben auch das Business aus.

Es handelt sich bei dem Titel um eine Art Krimi: es gibt einen Fall, der aufgeklärt werden soll. Franck will wissen, wer ihn zur Frau gemacht hat und versucht, das Geheimnis zu lüften. Der Leser folgt der Perspektive von Franck, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird. Das sorgt aber im Übrigen auch nicht dafür, dass man großartig mit ihm mitfühlen kann. Alles ist sehr gangsterhaft belastet: die Wortwahl, die Szenerie und das Milieu, in dem sich Franck bewegt. Es wird mit Geld gespielt, als handele es sich dabei nur um Papier und Leute werden erschossen, als seien sie nur Pappaufsteller.
Aber auch das Genre des Psychothrillers ist in Tomboy durchaus zu finden, denn mal ehrlich, wer wandelt als Racheaktion schon jemandes Geschlecht einfach um? Dass man in die düstere Psyche einiger Figuren eintaucht, scheint vonnöten, um überhaupt nachvollziehen zu können, was da eigentlich los ist.
Darüber hinaus ist der Comic durch die Dynamik und die zahlreichen Schießereien auch ziemlich actionlastig und dahingehend spannend. Ich fieberte die ganze Zeit mit, weil ich einfach wissen wollte, was sich hinter alldem verbirgt.

Der Zeichenstil ist zwar möglichst realistisch angesetzt - Die Figuren wirken aber manchmal auch ziemlich grotesk und an einigen Stellen ganz schön gruselig. Durch die gedeckte Farbgebung ist die Atmosphäre sehr düster und man kann sich gut in die Bildszenen hineinversetzen. Es wirkt ein wenig so, als würde man Franck tatsächlich Schritt für Schritt seiner Geschichte folgen.
Insbesondere die Körperinszenierungen sind mir positiv aufgefallen. Der Comic scheut sich nicht davor, Nacktheit zu zeigen, doch wird dem Leser ebendiese nie aufdringlich aufs Auge gedrückt, dass man fast schon genervt ist. Stattdessen wechseln sich die Körperbilder mit epischen Panels von detailreichen Szenerien ab: Gebäude, Räume, Straßen. Auch diese Illustrationen erwecken den Eindruck, man sei stets mittendrin.

Interessant war für mich vor allem Francks Rolle als Frau, denn ihn zur Strafe von einem Mann in eine Frau zu verwandeln, schien mir recht grotesk. Ein Frauenkörper als Bestrafung… ernsthaft? Aber man bekam beim Lesen nicht das Gefühl, als ginge es per se darum, dass es sich um eine ebensolche handelt. Franck muss vielmehr mit einer neuen Identität klarkommen und sich bewusst werden, welche Hürden eine Frau im Profikiller-Business möglicherweise bewältigen muss. Als Mann fielen ihm einige Dinge leichter, die sich jetzt als schwieriger herausstellen. Vielmehr zeigt der Comic, dass Franck noch mehr badass ist und es keine Geschlechterrollen braucht, damit er sich beweisen kann. Gerade seine Umwandlung bringt einige spannende Wendungen, sodass ich am Ende des Comics wirklich erstaunt war.


Tomboy ist etwas für jeden Leser, der gerne eine spannende und düstere Psychothriller-Geschichte liest. Man sollte sich aber darüber hinaus nicht davor scheuen, häufig nackte Haut zu betrachten und kann sich dennoch gleichzeitig an großartigen Illustrationen sattsehen. Ich wurde von dem Comic richtig gepackt und konnte auch nicht aufhören, bis ich ihn ausgelesen hatte, auch wenn ich mich ab und an etwas an der harten Wortwahl oder den grotesken Figuren störte – aber das gehört einfach dazu, um die Szenerien realistisch wirken zu lassen. Spannend finde ich auch, dass bereits eine Verfilmung in den Startlöchern steht! Tomboy von Matz, Walter Hill und Jef erhält von mir vier von fünf möglichen Lesebrillen für ein skurriles Krimi-Abenteuer.

Titel: Tomboy
Illustrator: Jef
Autoren: Walter Hill, Matz
ISBN: 978-3-95839-414-8
Verlag: Splitter
Preis: 24,80€
Sonstiges: 128 Seiten, Hardcover



Die genannten Details sind der Website von Splitter entnommen.

Vielen Dank an Splitter für das Belegexemplar!




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