Rezension: Die Nacht in uns

Heute möchte ich euch Amy und Noahs Geschichte aus dem Roman Die Nacht in uns von Sylvie Grohne vorstellen. Halbvampire, Engelsblut, magische Fähigkeiten – in diesem Buch geht es fantasylastig zu! Aber auch Themen wie Familie und Liebe spielen eine wichtige Rolle in Die Nacht in uns, das ich im folgenden Beitrag rezensiere.



Amkaya fristet als unsterbliche Halbvampirin ein einsames Leben. Die Bestie in ihr verhindert, dass sie körperlichen Kontakt mit anderen Menschen aufbaut, dabei lebt sie mitten unter ihnen. Ihr Bruder hat seine Bestie zwar besser unter Kontrolle, doch auch er macht sich ständig Sorgen um Amkaya und ihre Bürde. Eines Tages trifft sie auf Noah, durch dessen Venen Engelsblut fließt. Auch er ist mit dem Tod häufig näher verbunden, als mit dem Leben. Ist es das, was die beiden anzieht? Hat das Schicksal sie vielleicht zusammengeführt? Wie sonst kann sich Amkaya erklären, dass sie glaubt, ihre Bestie das erste Mal in ihrem Leben im Griff zu haben?



Die Nacht in uns ist ein Liebesroman mit klassischen Fantasy-Elementen. Vampire und Engel, das mag man vielleicht schon mehrfach gehört haben, doch Sylvie Grohne gibt der Thematik einen ganz anderen Dreh. Halbvampire, die tagsüber das Haus verlassen können und neben den gewöhnlichen blutigen Mahlzeiten einfaches Essen nicht verschmähen. Fließt Engelsblut durch die Adern, kann Elektrizität beeinflusst werden – mir hat es gut gefallen, dass die klassischen Aspekte ganz neu interpretiert wurden.

Der Schreibstil hat von Anfang an wundervolle Bilder in meinem Kopf entstehen lassen. Manchmal werden die Geschehnisse hart und ungeschönt beschrieben, an anderen Stellen ist der Schreibstil blumiger und voller sprachlicher Bilder. Das düstere Setting, das gerade zu Beginn des Romans eingeläutet wird, fand ich sehr passend zum Buch und es ließ mein Herz höher schlagen.

Die Nacht in uns ist aus zwei Perspektiven geschrieben, unter anderem aus Amkayas Sicht, die im Roman auch Amy genannt wird. Von der anderen Perspektive dürft ihr euch gerne noch überraschen lassen – sie wird euch mehr über die Hintergrundgeschichte erzählen und schließt so am Ende des Buches den Kreis. Beide Perspektiven sind in der ersten Person Singular verfasst, sodass man einen tieferen Einblick in das Innenleben der Figuren erhält.

Thematisch dreht sich hier jedoch nicht alles nur um Fantasy! Dadurch, dass Amy mit ihrem Bruder zusammenlebt und man mehr über ihre Herkunft erfährt, kommt der Familienaspekt nicht zu kurz. Obwohl es sich in dem Roman doch eher um eine Liebesgeschichte dreht, ist die Familie ein beständiger Teil des Ganzen. Auch die Bedeutung des Schicksals ist allgegenwärtig. Die große Frage des Romans ist, ob die Begegnung zwischen Amy und Noah nur Zufall oder Schicksal ist. Steht ein Plan dahinter oder ist es doch nur eine flüchtige Zusammenkunft?
Dadurch, dass die Liebe vordergründig ist, liest man im Roman viele erotische Szenen. Ich hatte anfänglich ein wenig Angst und Bedenken, als es zum ersten erotischen Knistern kam, denn viele Autoren greifen bei solchen Szenen oft daneben, weswegen ich von erotischen Romanen generell eher Abstand halte. Aber nicht so Sylvie Grohne! Ich habe selten einen Roman gelesen, der es schafft, die Erotik auch wirklich Erotik sein zu lassen. Hier ist nichts plump beschrieben und man muss sich definitiv nicht peinlich berührt fühlen. Alles wirkt sehr leidenschaftlich, nichts ist zu detailreich ausgearbeitet und die Wortwahl ist einfach nur perfekt. Für meinen Geschmack hätten es aber ruhig zwei, drei sexuelle Szenen weniger sein können. Auf der anderen Seite kann man es Amy und Noah wirklich nicht übel nehmen.

Im Gesamtbild hat mir ein wenig der rote Faden gefehlt. Die Begegnung zwischen Amy und Noah steht klar im Vordergrund, doch die Einleitung, bis wirklich etwas passierte, fand ich etwas langatmig. Man bekommt viel von der Rahmengeschichte präsentiert, aber ich hatte vor allem bei der Hälfte des Buchs das Gefühl, dass ich nicht wusste, wohin mich der Roman führte. An manchen Stellen hatte ich einen Leerlauf, weil viel gesagt wird was passiert, aber nicht warum etwas passiert. Das steigert zwar durchaus die Spannung, da man erfahren will, was hinter alldem steckt, aber es sorgte auch dafür, dass man gedanklich manchmal abschweift.
Das führte auch dazu, dass ich an einigen Stellen etwas überrascht zurückblieb, wenn die Charaktere zwar verstehen und sagen, dass etwas passiert ist, sie sich aber beispielweise nicht verwundert über ein besonderes Ereignis zeigen. Manchmal wurde mir einfach zu viel so hingenommen, wohingegen ich als Leserin mich fragte Wieso wundert sich der Charakter darüber nicht?
Als ich den Roman beendete, war ich mir zwischenzeitlich auch gar nicht sicher, wie ich die Figuren beschreiben sollte. Sie sind alle zwar unterschiedlich gestaltet, aber manchmal fehlten mir Charaktereigenschaften, die sie noch individueller gemacht hätten.

Sylvie Grohne hat sehr viel Liebe in diesen Roman gesteckt und das liest man auch! Hin und wieder finden sich popkulturelle Bezüge, besonders im Bereich der Musik. Wenn beispielsweise die Figuren im Auto unterwegs sind und ein Musikstück läuft oder Amkaya beim Malen einen Song hört, hatte ich gleich eine sehr bildhafte Szene vor Augen. Und so ein Soundtrack zum Buch gefällt mir sowieso sehr! Eine sehr schöne Idee, die den Roman lebendig macht.




Insgesamt gefiel mir die Urban Fantasy-Geschichte gut. Ich war positiv überrascht, wie wundervoll man erotische Szenen doch schreiben kann und wie sehr sich Gegensätze gelegentlich anziehen. Ich hätte gerne noch mehr über Amkayas Herkunft als Halbvampirin erfahren, denn diese Szenen fand ich besonders toll und mitreißend. Mir war die Aufmachung am Anfang etwas langatmig und erst ganz am Ende wurde mir klar, wohin mich der Roman tatsächlich führte. Zwischenzeitlich empfand ich ein paar Szenen in der Mitte des Buchs eher als Leerlauf, denn als handlungstragend, weswegen ich gute drei von fünf Lesebrillen vergebe. Das Ende brachte nochmal einen ganz neuen und unerwarteten Dreh in die Handlung und macht vieles, bei dem man vorher ein Fragezeichen über dem Kopf hatte, sinnig.

  



Titel: Die Nacht in uns
Autorin: Sylvie Grohne
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform
ISBN: 978-1514811474  
Preis:13,90€ (Taschenbuch)
Sonstiges: Hardcover, 484 Seiten

Die genannten Details sind der Website von Sylvie Grohne entnommen.

Vielen Dank an Sylvie Grohne für die wundervolle Zusammenarbeit! 




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