Rezension: Der letzte Stern


Auf dieses Buch habe ich lange gewartet! Ich bin mit Cassie und Bär durch einsame Wälder gelaufen, habe nur mit meinen Fäusten gegen die Anderen gekämpft und stürmte mit Zombie und Ringer wild entschlossen Militäreinrichtungen. Der finale Band der Fünften Welle-Serie ist nun endlich gelesen! Wie mir Der letzte Stern von Rick Yancey gefallen hat, erfahrt ihr in meiner Rezension.





Vier Wellen brachten die Anderen über die Welt, ein jede gefährlicher und zerstörerischer als die andere: die völlige Abschaltung jeglicher elektrischen Geräte. Flutwellen, die ganze Städte auslöschten. Tödliche Viren, die die Vögel übertrugen. Sogenannte Silencer und Kindersoldaten. Der Großteil der Bevölkerung wurde vernichtet, doch die Silencer wollen auch noch die letzten Menschen auslöschen. Cassies Gruppe Überlebender hat es bis hierher geschafft, doch nun steht die fünfte, die letzte Welle an und soll alles menschliche Leben ausrotten. Es scheint keine Lösung für den finalen Schlag der Silencer zu geben. Cassie weiß nur eins, sie müssen kämpfen, bis zum Schluss.



Wie auch in den vorigen Titel wird der letzte Band der Reihe aus mehreren Perspektiven beschrieben, die in mal längere und mal kürzere Kapitel unterteilt sind. Eher verwirrend als hilfreich ist dabei der Wechsel von der dritten in die erste Person Singular. Mir fiel es deshalb schwer, von der einen in die andere Perspektive zu wechseln und ich brauchte immer eine kurze Eingewöhnungsphase, wenn eine andere Person erzählte. Der Sinn dahinter bleibt mir bis heute verborgen, denn sowohl bei der einen als auch bei der anderen Perspektive hat der Leser vollen Einblick in das Innenleben der Charaktere. Vielleicht waren die Wendungen nur eine Frage des Stils.

Zu Beginn hat mich der Schreibstil umgehauen. Viele Metaphern und zahlreiche schöne und schauderhafte Bilder, die in meinem Kopf entstanden. Alles klang episch und schwergewichtig, sodass in den ersten Kapiteln viele Tränen kullerten. Ich dachte mir zu diesem Zeitpunkt, dass mich der Roman vollkommen umhauen würde – doch leider hielt dieses Gefühl nicht lange. Der Sprachstil wurde plumper, verlor an all der Stilsicherheit und ließ mich gegen Ende hin immer mehr den Kopf schütteln. Das sollte der gleiche Autor sein, der die epischen Verse zu Anfang geschrieben hatte?

Ich hatte das Gefühl, dass die Geschichte nicht so recht weiß, wo sie hin will. Cassies Gruppe diskutiert eifrig, auch die Silencer planen ihre Machenschaften, doch bis zum Ende war ich völlig ideenlos und fand keinen roten Faden. Rückblickend sehe ich die logischen Verknüpfungen, aber einige Handlungsstränge fühlten sich dennoch weit hergeholt an.

Trotz der zahlreichen mulmigen Emotionen war ich gefesselt. Ich hatte so lange gewartet und gehofft, eine Antwort auf die Fragen zu bekommen, die mir schon seit Band eins im Kopf herum schwebten. Nicht alle dieser Fragen wurden auch tatsächlich beantwortet, sodass mich die Reihe nachdenklich zurücklässt. Und genau das war es, was mich nicht richtig losließ. Ich musste immer wieder über Handlungsentscheidungen grübeln, hinterfragte allerlei Schachzüge. Dieses Buch ging mir nicht mehr aus dem Kopf!

Der letzte Stern hat mich auch emotional sehr ergriffen. Es passieren Wendungen, die ich nicht für möglich gehalten hatte und die Charaktere müssen trotz ihres jungen Alters noch härtere Herausforderungen meistern.
Vor allem Cassies Bruder machte bei mir eine regelrechte Gradwanderung durch: mal verfluchte ich ihn und war einfach nur genervt, mal wollte ich wie Cassie einfach nur hinter dem gelben Schulbus hinterherrennen und ihn zurückholen. Mein Liebling bleibt aber Cassie – sie ist taff und weiß, was sie will. Trotz allem versucht sie, die Gruppe zusammenzuhalten und vor allem die Menschheit zu bewahren. Insbesondere Ringer wurde für mich zunehmend interessanter. Eckte ich mit ihr im ersten Band noch ganz schön an, wird ihr nun im letzten Band eine drastische Wendung zugetan. Sie hat mich von allen Figuren definitiv am meisten überrascht!
Die Charaktere haben sich stark weiterentwickelt. Man erkennt gar nicht mehr die verschüchterten Kindersoldaten aus dem ersten Buch. Vermehrt wird zugleich aber davon gesprochen, dass man das Kindliche nicht ablegen darf, dass man Mensch bleiben muss. Diese Thematik ist auch im letzten Band von großer Relevanz und verdeutlicht einmal mehr den Kontrast zwischen den Silencern und den Menschen.


Der dritte Band hat viele Schwächen, doch zeigt er viele willensstarke Charaktere, die nicht ans Scheitern denken. Sie wachsen einem ans Herz! Trotz übrig gebliebener Fragen und einer teilweise noch immer anhaltenden Unzufriedenheit brachte mich der Titel andauernd zum Nachdenken. Er ging einfach nicht aus meinem Kopf heraus! Ich bin traurig, dass Die fünfte Welle jetzt ihr Ende gefunden hat. Ich vermisse all die wunderbaren Figuren! Leider hielt der epische Auftakt von Der letzte Stern nicht an und vor allem im Sprachstil änderte sich im Verlauf der Handlung einiges. Ich vergebe für das dystopischen Epos von Rick Yancey vier von fünf möglichen Lesebrillen.






Titel: Der letzte Stern - Die fünfte Welle 3
Autor: Rick Yancey
ISBN: 978-3-442-31336-5
Verlag: Goldmann
Preis: 16,99€
Sonstiges:  384 Seiten, Hardcover


Die genannten Details sind der Website von Randomhouse entnommen.

Vielen Dank an das Bloggerportal für das Leseexemplar!



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