Rezension: Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind - Das Originaldrehbuch


Heute versetzen wir uns zusammen in die magischen 1920er Jahre New Yorks. Der Zauberer Newt Scamander kommt mit einem Koffer voller Tierwesen nach Amerika, doch etwas geht schief und bald darauf ist er damit beschäftigt, seine ausgebüchsten Tierwesen wieder einzufangen. Das Originaldrehbuch zum Kinofilm Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind wird heute von mir mal genau unter die Lupe genommen: lohnt sich das Buch? Wie viele Potter-Feels stecken wirklich zwischen den Seiten?


Der britische Zauberer Newt Scamander kommt 1926 mit einem magischen Koffer voller Tierwesen nach New York. Er ist Forscher und Magizoologe und immer auf Reisen, um neue Tierwesen zu entdecken und sie zu schützen. Eigentlich hatte er andere Pläne, doch als er mit dem Nicht-Magier Jacob Kowalski zusammenstößt und sein Koffer vertauscht wird, muss Newt seine ausgebrochenen Tierwesen erst einmal wieder einfangen. Aber nicht nur das, eine unsichtbare Macht scheint in New York sein Unwesen zu treiben. Haben die Angriffe etwas mit Newts Tierwesen zu tun oder steckt der Zauberer Grindelwald, der bereits in Europa gefürchtet wird, hinter den Attacken?

Als großer Harry Potter-Fan bin ich natürlich schon zur Vorpremiere ins Kino gerannt, um Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind auf der großen Leinwand zu sehen – und das sollte nicht mein einziger Kinobesuch gewesen sein! Danach war ich selbstverständlich auch auf das Originaldrehbuch zum Film gespannt!
Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind ist Joanne K. Rowlings Drehbuchdebüt. Man mag es kaum glauben, dass sich die Autorin das erste Mal an einem Drehbuch versucht hat, so professionell ist die Geschichte erzählt und bietet uns gleichsam wieder viele tolle Charaktere, die unsere Herzen stehlen.

Alleine von der Aufmachung her lohnt sich das Drehbuch bereits: Das Designstudio MinaLima hat das Buchcover und die Illustrationen geschaffen. Miraphora Mina und Eduardo Lima wirkten bereits bei den Harry Potter-Filmen mit und haben auch Designarbeiten für Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind angefertigt. Jede Seite des Drehbuchs ist mit wunderschönen Vignetten verziert: Tierwesen räkeln sich um die Seitenangaben und um die Seitenüberschriften. Aber auch nach jeder Szene folgt eine Vignette zur Abgrenzung. Vor jedem neuen Kapitel ist eine etwas größere Grafik aufgeführt, die meist das Tierwesen zeigt, das in den Folgeszenen eine tragende Rolle spielt.

Vielleicht ist es für viele Leser erst einmal ungewohnt ein Drehbuch zu lesen – diese Problematik hatten offenkundig schon einige mit Harry Potter und das verwunschene Kind. Man muss sich von Anfang an damit abfinden, dass die Texte in Dialogform verfasst und Handlungen oder Settings nur kurz beschrieben werden. Für Skript-Anfänger gibt es ganz hinten im Drehbuch ein Glossar der Filmbegriffe: da im Drehbuch der Einfachheit halber viele Begriffe abgekürzt werden, ist möglicherweise nicht direkt klar, was damit gemeint ist. So kann man aber ganz schnell hinten im Glossar blättern und erfährt, was die entsprechende Abkürzung zu bedeuten hat. Im Buch ist außerdem eine Übersicht der SchauspielerInnen und des Filmstabs aufgeführt.

Für mich war das Lesen des Drehbuchs eine reine Back To The Movie-Erfahrung. Ich habe mich sofort wieder in den Film versetzt gefühlt, was besonders schön war, als der Film nicht mehr in den Kinos lief und das aktuelle Warten auf die DVD unerträglich scheint. Bei jeder Szene hatte ich direkt wieder die großartigen SchauspielerInnen im Kopf, hörte ihre Stimmen und die ganze Handlung konnte ich auf diese Weise nochmal rekapitulieren. Vor meinem geistigen Auge spielte sich sozusagen nochmal der Film ab. Das Drehbuch schafft es, die Gefühle von der Leinwand zu transportieren, auch wenn durch das Skriptformat Szenen manchmal schnell abgehakt sind, weil nur in wenigen kurzen Sätzen zusammengefasst wird, was geschieht. Dadurch, dass man alles nachlesen kann, werden auch Details und Szenen klarer, die einem im Film vielleicht entgangen sind. Auch ganz bestimmte Szenen, bei denen der Film nicht ganz deutlich zeigt, was beispielsweise das Schicksal einer Figur parat hält, bieten im Skript Aufklärung: ich bin mir dadurch meiner Fan-Theorien jetzt noch sicherer geworden.
Beim Originaldrehbuch scheint es sich allerdings um eine überarbeitete Version zu handeln, denn ausgelassene Szenen aus dem Film, lassen sich ebenfalls nicht im Skript finden, was ich persönlich sehr schade finde. Dadurch hätte das Drehbuch nochmal etwas ganz Besonderes für sich gehabt.
Manchmal entdeckt man auch einige Szenen, die so nicht ganz im Film passiert sind oder Anmerkungen, die beispielsweise ausgelassen wurden. So schiebt sich Newt seinen Zauberstab zwischen die Lippen, um seine Hände frei zu haben – die Szene wurde von Eddie Redmayne, der Newt Scamander spielt, improvisiert. Es ist witzig zu sehen, welche Kleinigkeiten von den SchauspielerInnen selbst hinzugefügt wurden, um ihren Figuren mehr Tiefe zu geben.
Obwohl das Originaldrehbuch mich hinsichtlich einiger Szenen schlauer gemacht hat, sind wie im Film einige wenige Handlungslücken zu finden. Leider kann das Skript auch die Plot-Holes nicht aufklären.

Noch bis 2018 müssen wir auf den Fortsetzungsfilm warten, doch bis dahin kann man die versteckten Details in Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind finden. Durch das Lesen des Drehbuchs wurden mir für mögliche Folgehandlungen im zweiten Film einige Dinge klarer. Es zeigen sich viele Andeutungen und man kann fröhlich spekulieren, wie es mit den Charakteren weitergehen könnte.

Beim Lesen habe ich mich immer wieder gefragt, ob der Text aus dem Drehbuch wirklich eins zu eins derselbe wie im Film ist – oder wurde das englische Drehbuch übersetzt? Ich konnte viele Sätze aus dem Film im Drehbuch wiederfinden, weswegen ich denke, dass man sich hierbei an die deutsche Übersetzung des Films gehalten hat. Das wiederum sorgt für einen noch größeren Wiedererkennungswert.

Auf diese Weise glaube ich, dass das Drehbuch auch etwas für diejenigen, ist, die den Film vielleicht noch gar nicht kennen. Sie haben den Vorteil, durch das Drehbuch ihre eigenen Bilder im Kopf entstehen zu lassen. Allerdings wird es dann beim Film für sie keine Überraschungen mehr geben. Für komplette Harry Potter-Neueinsteiger empfehle ich allerdings erst den Kinobesuch!


Man muss keine Angst haben, dass das Originaldrehbuch den Charme des Films nicht trifft, denn das Skript schafft es von Anfang an, die Gefühle zu übertragen, die man auch ihm Film verspürt. Durch das gewählte Medium kann das Drehbuch natürlich nicht hundertprozentig den Film ersetzen, doch man kann sich beim Lesen direkt wieder in die Szenen hineinversetzen. Alleine die Buchgestaltung lädt zum Kauf förmlich ein – selbst wenn man kein Potterhead ist. Wenn man sich das erste Mal an ein Drehbuch herantraut, nimmt das Skript den Leser an die Hand und erklärt Begriffe aus der Filmwelt im Anhang. Es ist lediglich schade, dass durch die Kurzfassungen epische Szenen manchmal etwas untergehen – und ich hätte mich auch darüber gefreut, das tatsächliche Originaldrehbuch in den Händen zu halten und keine Version, die sich nur auf die Kinoszenen beschränkt. Dennoch ist Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind – Das Originaldrehbuch ein Titel, der in keinem Bücherregal fehlen sollte. Ich vergebe vier von fünf Lesebrillen für Joanne K. Rowlings Drehbuchdebüt und freue mich schon auf den zweiten Teil der Reihe.


Titel: Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind - Das Originaldrehbuch
Autorin: Joanne K. Rowling
Übersetzung: Anja Hansen-Schmidt
ISBN: 978-3-551-55694-3
Verlag: Carlsen
Preis: 19,99€
Sonstiges:  304 Seiten, Hardcover



Die genannten Details sind der Website vom Carlsen Verlag entnommen.
Vielen Dank an Carlsen für das Leseexemplar!




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