Higher, Further, Faster | Captain Marvel


Gestern habe ich endlich Captain Marvel im Kino gesehen. Ein Film, auf den ich mich bereits seit seiner Ankündigung freue. Auch zahlreiche Comic-Abenteuer über die gleichnamige Superheldin habe ich verschlungen, sodass ich natürlich auch besonders skeptisch war, ob der Film meinen Ansprüchen gerecht werden würde. Wie mir „Captain Marvel“, der übrigens am Startwochenende mal eben über 639.000 Fans in die Kinos lockte und uns damit den erfolgreichsten März-Kinostart aller Zeiten bescherte, gefallen hat, erzähle ich euch heute in diesem Beitrag.

Der Film spielt in den 1990er Jahren, was bei einigen aufmerksamen Zuschauern schon für Verwirrung sorgen sollte. Richtig, denn zu dieser Zeit retteten weder Iron Man noch der Hulk oder sonst wer die Welt vor dem Bösen. Sogar S.H.I.E.L.D. hatte wenig Ahnung davon, dass es da draußen im Universum fremde Alienrassen gibt. Dennoch hat sich das MCU (Marvel Cinemtatic Universe) dazu entschieden, den Film um Carol Danvers aka Captain Marvel erst jetzt auf die Kinoleinwand zu bringen. Das liegt vor allem daran, dass die Figur wichtig für die Avengers-Initiative ist, die S.H.I.E.L.D. damals gründete, um die Welt zu verteidigen. Ein Start vor den „Avengers“-Filmen wäre deshalb schon unsinnig. Online wird gemunkelt, dass die Zuschauer damals einfach noch nicht für eine weibliche Superheldin in der Hauptrolle bereit gewesen wären. Und dann gibt es da schlichtweg einfach die Tatsache, dass Captain Marvel die stärkste Heldin aller Zeiten ist – was neben supermaskulinen Göttern wie Thor gerne übersehen wird. Was das bedeutet? Die Rettung vom vierten „Avengers“-Film „Endgame“.
Das MCU besteht aus drei Phasen, die stets mit einem „Avengers“-Film enden. Erst in Phase zwei erfahren wir mehr über die Aliens und fremde Planeten. Hier spielen vor allem die Kree (eine Alienrasse vom Planeten HALA) eine wichtige Rolle. Wer in „Guardians of the Galaxy“ gut aufgepasst hat, kennt die blauen Engel bereits und sollte daher auch nicht verwundert sein, einige bekannte Gesichter in „Captain Marvel“ wiederzusehen. Aus diesem Grund gab es für mich im neuen MCU-Blockbuster leider kaum Überraschungen, da ich die Geschichte der Kree schon kannte und schnell zuordnen konnte, wer welcher Seite angehört.
Was hat das jetzt für Auswirkungen auf den Veröffentlichungszeitraum von „Captain Marvel“? Übrigens schon der 21. Film des MCUs. Wir haben viele Heldinnen und Helden gesehen, aber niemand ist so stark wie Captain Marvel. Logisch, dass man erst einmal die Abenteuer der anderen zeigen muss, ehe man die nahezu unbesiegbare Carol Danvers vorstellt. Andernfalls wäre wohl der Aufschrei groß gewesen, warum nicht Captain Marvel mal eben einfliegt und die Welt rettet. Dazu möchte ich später auch noch kommen.


Zurück zu Carol Danvers. „Captain Marvel“ präsentiert ihre komplette Geschichte: Wie sie auf die Erde kommt, mehr über sich und ihre Herkunft herausfindet und zu Captain Marvel wird. Die Erde wird nämlich von einer feindlichen Alienrasse bedroht und als sich (eher zufällig) die Wege von S.H.I.E.L.D. Agent Nick Fury und Captain Marvel kreuzen, arbeiten sie zusammen, um die Welt zu retten.
Genau diese Beziehung zwischen Fury und Carol hat den Film für mich auch lebendig gemacht. Die Dialoge zwischen den beiden sind griffig und zwischenzeitlich sogar echt lustig. Man erfährt ein bisschen mehr über Fury und es wird sogar im Film erklärt, wie er sein Auge verliert. Schön war auch, dass mein persönlicher S.H.I.E.L.D. Liebling Phil Coulson mit von der Partie war und sich als Agenten-Frischling dort behauptet hat.
Highlight war für mich die vielschichtige Darstellung des Skrulls (ebenfalls eine Alienrasse) Talos, worauf ich jedoch aus Spoiler-Gründen nicht weiter eingehen möchte. Dagegen stank aber leider auch Captain Marvel höchstpersönlich ab. Im Film wird mehrfach erwähnt, wie empathisch sie ist und dass ihre Gefühle sie oft in die Knie zwingen. Davon sieht man aber so gut wie gar nichts. Stattdessen ist sie badass as hell und steht Iron Man in witzigen Sprüchen in nichts nach. Ich hätte mir gewünscht, mehr von der einfühlenden Carol zu sehen, denn so wirkte sie tatsächlich wie der krasse Steinklotz, der unbesiegbar ist. Und Brie Larson, die Captain Marvel spielt, ist ja eine gute Schauspielerin. Es lag also eher am Drehbuch, dass diese Umsetzung scheiterte.

Als Kind der 90er Jahre habe ich mich natürlich auch sehr auf die Darstellung dieser Zeit gefreut (Hallo, Carol mit Buffalo-Schuhen?!). Klamottentechnisch sehen wir davon aber kaum etwas. Man hat sich hier ein bisschen damit rausgeredet, den 90er Grunge-Look abzunutzen und diesen Modetrend findet man heute auf jeder Straße. Leider sehr langweilig. Dafür hat man aus den „Guardians of the Galaxy“ gelernt und lieber die großartige 90er Grunge-Musik sprechen lassen. Just a Girl von No Doubt erschien zwar erst 1996 und damit ein Jahr später als „Captain Marvel“ spielt, aber an so Kleinigkeiten muss man sich bei einem MCU-Film echt nicht aufhängen.

Mir sind natürlich auch einige Änderungen zum Comic-Universum von „Captain Marvel“ aufgefallen. Beispielsweise heißt die Katze nicht Chewie (vielleicht lag das an den „Star Wars“-Rechten) und Mar-Vell ist kein Mann mehr (yeah!). Das hat mich positiv überrascht und sorgte auch bei mir noch für einige schöne Kinomomente.
Die hatte ich aber vor allem, wenn es um Referenzen zu den Avengers oder „Endgame“ ging. Auch hier kann ich nur raten, bis zum Ende des Films sitzen zu bleiben. Ich habe mich über jede noch so kleine Anspielung sehr gefreut und das hat den Film für mich auch zu etwas Besonderem gemacht, nachdem mich Drehbuch und Dialoge nicht sonderlich begeistern konnten.

Ich denke, es wäre wichtig gewesen, auch nochmal wörtlich zu erwähnen, wie stark Captain Marvel eigentlich ist. Das hat man zwar deutlich gesehen, sorgte aber zumindest bei meinem Kinobesuch bei einigen Zuschauern für Verwunderung. Denn jetzt fragen sich natürlich alle, warum Carol nicht schon früher auf die Erde kam und den Avengers geholfen hat und sie erst zu „Endgame“ zurückkehren wird.
In „Captain Marvel“ sagt Carol, Nick solle sie nur rufen, wenn es wirklich wichtig ist. Vielleicht waren all die Kriege auf der Erde für Fury einfach nicht relevant genug (was ich mir nicht vorstellen kann). Es gibt Vermutungen darüber, dass Captain Marvel einfach zu weit weg war, um von Thanos Wind zu kriegen. Die meisten Fan-Theorien sind meiner Meinung aber nicht zu gebrauchen und daher werden wir bis „Endgame“ warten müssen, was es damit auf sich hat.

Im Großen und Ganzen hat mich „Captain Marvel“ trotz einiger Schwächen sehr unterhalten. Wenn man etwas weniger informiert in den Film geht, wird man bestimmt auch häufiger überrascht, anstatt gelangweilt. Emotional wurde es für mich nur bei der Ehrung von Stan Lee und jeglichen Referenzen zu anderen MCU-Filmen, was etwas enttäuschend war. Dennoch freue ich mich jetzt umso mehr auf „Endgame“ und kann es kaum erwarten, mehr über die MCU-Carol zu erfahren.


 
 Fotos © Disney 
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